Symbolbild: Knieschmerzen (Quelle: Colourbox)
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Alternative Therapien, Spritzen oder Gelenkersatz - Arthrose – Was hilft gegen den Verschleiß im Gelenk?

Arthrose beginnt schon ab dem 40. Lebensjahr, mit 80 hat sie so gut wie jeder. Das ist schmerzhaft und schränkt im Alltag ein. Doch was hilft gegen die Beschwerden? Helfen Salben oder Cremes? Wirkt Akupunktur? Oder ist eine Spritze ins Gelenk eine Lösung?

Arthrose ist eine Volkskrankheit: Etwa fünf Millionen Menschen in Deutschland sind betroffen, Tendenz steigend. Ab dem 60. Lebensjahr hat gut jede zweite Frau und jeder dritte Mann Arthrose, vor dem 30. Lebensjahr nur einer von hundert. Meist beginnt der Gelenkverschleiß um die 40.
 
Die Arthrose tritt in allen Gelenken auf, am häufigsten jedoch in Hüfte und Knie. Fehlstellungen wie X- und O-Beine, Bewegungsmangel und Übergewicht erhöhen die Gefahr zu erkranken. Bei nahezu jedem dritten Patienten oder Patientin schmerzen die Gelenke in den Händen, so zum Beispiel im Daumen oder den Fingern.

Zu den typischen Beschwerden zählen

• quälende Schmerzen, zunächst nur bei Bewegung, später auch in Ruhe.
• eine eingeschränkte Beweglichkeit und steife Gelenke. Kaltes und feuchtes Wetter verschlimmern die Beschwerden.
• der so genannte Anlaufschmerz. Nach längerem Ruhen sind dabei vor allem die ersten Bewegungen morgens nach dem Schlafen schmerzhaft. Je mehr sich die Gelenke "warmlaufen", desto eher lässt der Schmerz nach.

Gesunde Gelenke – eine Frage der Schmiere

Normalerweise wird ein Gelenk von einer Bindegewebskapsel umhüllt. Die Gelenkflächen sind von einer glatten Knorpelschicht überzogen. Dieser Knorpel schützt die Knochen und ermöglicht reibungslose Bewegungen.
 
Die Schleimhaut an der Innenseite der Gelenkkapsel entsorgt feinen Knorpelabrieb und produziert Gelenkschmiere. Diese bewegt alle Gelenkteile und ernährt den gefäßlosen Knorpel. Durch regelmäßige Be- und Entlastung wird die Gelenkschmiere in den Knorpel "eingewalkt". Wird der Knorpel zu wenig oder falsch belastet,
• wird er unterernährt.
• wird die Oberfläche weicher.
• bilden sich Risse.
• sterben Knorpelzellen ab.
 
Schreitet die Arthrose voran, werden die vielen abgestorbenen Knorpelzellen nicht mehr abgebaut. Es wird immer weniger Gelenkschmiere produziert. Das Gelenk entzündet sich und schwillt an. Kann der defekte Knorpel die Gelenkknochen nicht mehr vor Belastung schützen, bilden sich knöcherne Ausläufer; der Gelenkspalt verschmälert sich. Das Gelenk wird zusehends steifer, schmerzhafter und irreversibel geschädigt. Im weiteren Verlauf kommt es zu Reizungen des Gelenks mit Schwellungen und Ergüssen und später auch zu Verformungen der Gelenke.

Was tun gegen Arthrose?

Die Arthrose ist chronisch, es gibt keine Heilung. Wichtig ist eine frühe Therapie, damit die Erkrankung nicht fortschreitet. Ziel der Behandlung ist immer, die Gelenke beweglich zu halten.

Wie sieht die Therapie aus?

1) Gewicht reduzieren: Wenn die Gelenke weniger Eigengewicht tragen müssen, kann das ein Drittel der Schmerzen einsparen. Forscher wissen: Wer fünf Kilo abnimmt, halbiert sein Risiko für Arthrose.
2) Viel Obst, Gemüse, Vollkorn und Milchprodukte und statt Fleisch lieber Fisch essen. Rotes Fleisch und Schweinefleisch enthalten viele gesättigte Fettsäuren, sie begünstigen die entzündlichen Prozesse in den Gelenken.
3) Auf Alkohol, Zigaretten und Koffein verzichten.
4) Kurkumaextrakt kann ähnlich wie Ibuprofen Schmerzen reduzieren.
5) Regelmäßig Sport treiben: Das stärkt die Muskulatur, regt die Nährstoffversorgung an, schmiert die Gelenkflächen und entlastet den geschädigten Knorpel.
6) Akupunktur ausprobieren: Die Methode der Traditionell Chinesischen Medizin (TCM) kann Arthroseschmerzen lindern und die Gelenkfunktion verbessern. Der Reiz der Akupunkturnadel führt dazu, dass der periphere Schmerz nicht an das Gehirn weitergeleitet wird. Zudem werden so genannte Endorphine freigesetzt. Die Kosten für eine Akupunktur werden nur bei chronischer Kniegelenksarthrose übernommen.
7) Yoga, progressive Muskelentspannung und Ayurveda lohnen als Versuch gegen Arthrose. Die ayurvedische Therapie beinhaltet Ölmassagen, Dampfbehandlungen und Kräuterbeutelmassagen, Ernährung und Bewegung.
8) Entzündungshemmend und schmerzlindernd wirken so genannte "nicht steroidale Antirheumatika" (NSAR). Dazu zählen Diclofenac, Ibuprofen oder Naproxen oder so genannte Cox-2-Hemmer wie Celexoib oder Etoricoxib. Teilweise sind diese Mittel auch rezeptfrei in der Apotheke erhältlich, allerdings sind für eine spürbare Linderung oft höhere, verschreibungspflichtige Dosierungen nötig. Es gibt auch Salben und Cremes mit entsprechenden Wirkstoffen.

Spritzen in das Knie – was bringen sie?

Ist der Knorpelschaden noch nicht zu groß, kann auch eine Injektion von Medikamenten direkt ins Gelenk helfen. Folgende Wirkstoffe werden gespritzt:
1) Kortison: Die Spritzen sollen die Entzündung eindämmen. Studien zeigen jedoch, dass Kortison – wenn überhaupt – nur einen kurzzeitigen Vorteil gegenüber reiner Kochsalzlösung hat. Langfristig dämpft das gespritzte Kortison die körpereigene Abwehr und fördert Infektionen.
2) Radiosynoviorthese (RSO): Die radioaktive Substanz wird in das Gelenk gespritzt und verteilt sich dort. Von den radioaktiven Teilchen werden die Entzündungszellen angelockt: Die Entzündungszellen greifen die radioaktiven Teilchen dann an und fressen sie auf. Die radioaktive Strahlung tötet die Entzündungszellen ab. Die Schwellung geht zurück und damit die Schmerzen. Die Therapie ist für fast alle Gelenke anwendbar. Doch die Reichweite der Strahlung im Gelenk ist begrenzt, maximal einen Zentimeter weit. Die RSO gilt als nebenwirkungsarm: Aber es können wie bei jeder Spritze Keime ins Knie kommen und ihrerseits Entzündungen auslösen. Den Eingriff übernehmen die Kassen.
3) Hyaluronsäure: Es soll die Gleitfähigkeit im Gelenk verbessern und kommt im gesunden Gelenk in der Schleimhaut, der Schmiere und dem Knorpel vor. Hyaluronsäure blockiert entzündliche Botenstoffe – und bremst so die Schmerzen und verbessert die Beweglichkeit. Die Wirkung hält bis zu zwei Jahre an. Die Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie (DGOU) empfiehlt die Therapie. Die Kosten tragen die Betroffenen selbst.
4) Eigenbluttherapie: Dabei wird dem Patienten oder der Patientin Blut abgenommen. Das Blut wird zentrifugiert, so dass sich die schweren Blutkörperchen vom Plasma absetzen. Das Plasma wird dem Patienten oder der Patientin wieder gespritzt. Es enthält Zellen, die sich an die Oberfläche des Knorpels heften und dort Wachstumsfaktoren freisetzen. Studien konnten bisher keine nachhaltige Wirkung belegen. Zudem können wie bei jeder Injektion Bakterien eindringen.

Letzter Ausweg: Gelenkersatz

Helfen diese konservativen Maßnahmen nicht, ersetzen Orthopäden- und Chirurgenteams ein verschlissenes Gelenk durch ein künstliches. Sinnvoll ist das allerdings nur, wenn das Gelenk noch nicht komplett versteift ist, die Kapsel noch nicht geschrumpft und die Sehnen noch nicht verkürzt sind.

Infotext: Beate Wagner

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