Frau steht vor vernebeltem See (Bild: unsplash/Colin Horn)
Bild: unsplash/Colin Horn

Interview l Wetterfühligkeit: Wirkung & Hilfe - Wenn Wetter die Gesundheit beeinflusst

Je stärker und plötzlicher der Wetterwechsel, desto heftiger kann der Körper reagieren. Häufige Symptome: Kopfschmerz & Herz-Kreislaufbeweschwerden. Was hilft?

Kopfschmerzen, Müdigkeit oder Herz-Kreislaufbeweschwerden - dass das Wetter auf die körperliche Gesundheit schlagen kann ist tatsähchlich kein Mythos. Nur: Nicht alle trifft es gleich stark, nicht alle Menschen reagieren gleich sensibel auf Wetterumschwünge.
 
Die gute Nachricht: Es gibt Wege, die Reaktion auf Wetterwechsel zu mindern. Was hilft, haben wir Prof. Dr. Andreas Matzarakis gefragt, Leiter des Zentrums für Medizin-Meteorologische Forschung des Deutschen Wetterdienstes in Freiburg.

Wetterfühligkeit - Mythos oder Wahrheit?

Herr Prof. Dr. Andreas Matzarakis, Menschen, die behaupten, dass ihr Wohlbefinden vom Wetter abhängt, werden oft als Spinner bezeichnet - wie werten Sie diese Aussage?
 
Wenn es um das Wetter geht, unterscheiden wir die Menschen in drei Gruppen:
Wir sind alle wetterreagierend. Wenn jemand aus dem Fenster schaut und sieht, dass es sonnig ist, freut er sich in der Regel, auch wenn es kalt ist. Wenn es trüb und kalt ist, freut man sich nicht. Das heißt, es gibt sofort eine Reaktion über die Sinne.
Neben den Sinnen brauchen wir auch noch eine menschliche Steuerung, die auf Veränderungen reagiert. Das erfolgt über den Hypothalamus.

Ändert sich das Wetter, dann haben manche Menschen, die schon ein Leiden haben, noch stärkere Leiden. Das betrifft etwa 50 Prozent der Deutschen, die sich selbst als wetterfühlig bezeichnen. Wetterfühlige Menschen reagieren negativ bei einem ganz bestimmten Wetter, nämlich einem Tiefdruckgebiet.
Dies hat Auswirkungen auf die Gesundheit, zum Beispiel wenn es Atemwegserkrankungen gibt, rheumatische Beschwerden oder Migräne.
 
Man muss aber ganz deutlich sagen, dass das Wetter nicht an der Erkrankung Schuld ist, sondern vorhandene Symptome sind bei einem bestimmten Wetter intensiver sind.
 
Es gibt noch eine Gruppe, das sind die Wetterempfindlichen. Das sind Menschen mit chronischen Erkrankungen, die häufig auch etwas älter sind, die leiden bei bestimmten Wetterlagen mehr. Das sind etwa 15-20 Prozent.
 
 

Welche Symptome kann "Wetter" bei Gesunden auslösen?

Welche Symptome können bei gesunden Menschen einer Wetterfühligkeit zugeordnet werden?
 
Bei einem bestimmten Wetter ist die Rehabilitation der Gesundheit erschwert, das heißt der menschliche Körper muss arbeiten, damit er die besten Bedingungen für sich rausholt. Dieser Vorgang ist dann [wetterbeeinflusst] beeinträchtigt.
 
Das heißt, wenn es zum Beispiel sehr kalt oder warm draußen ist, oder die Veränderungen des Wetters bei mir eine Unruhe auslösen, dann kann ich für meinen Körper nicht die besten Bedingungen für ihn rausholen.
Das Wetter ist allerdings nur ein Faktor, der das Wohlbefinden beeinflusst.

Kurz & knapp: So wirkt "Wetter" auf den Körper

• Jeder Mensch reagiert auf das Wetter. Das sind nötige Regulationsvorgänge und Anpassungsleistungen die der Körper vollbringt, um die Körpertemperatur konstant zu halten.

Wetterwechsel an sich machen nicht krank. Es können allerdings Beschwerden entstehen, wenn durch Erkrankungen die Regulationsfähigkeit des Körpers beeinträchtigt sind. Ein Beispiel dafür ist niedriger Blutdruck.

• Herausfordernd sind für den Körper abrupte Wetterwechsel, da sich der Organismus hier schnell anpassen muss. Diesen Vorgang bezeichnet man als Biotropie.

• Generell gilt: Der allgemeine Gesundheitszustand, aber auf Faktoren wie der Schlaf oder Stress haben Einfluss darauf, wie der Körper mit Wetterwechseln umgeht.

Wie reagiert man gut auf Wetterwechsel?

Wie kann ich als wetterfühlige Person denn gut auf Wetterveränderungen reagieren?
 
Die Wetterreagierenden können sich schnell anpassen.
Jemand der wetterfühlig und schon beeinträchtigt ist, der sollte die Wettervorhersage, vor allem die Biowettervorhersage, verfolgen.
 
Das Wetter kann man nicht ändern, aber andere Einflussfaktoren, wie zum Beispiel das Stresslevel, können angepasst werden, um die Auswirkungen des Wetters gering zu halten.
 
Generell gilt es, dass Immunsystem zu stärken, zum Beispiel durch viel Bewegung an der frischen Luft und dadurch, dass man den Körper abhärtet und trainiert.

Wetterfühlig vs. wetterempfindlich

Wenn jemand sowieso wetterfühlig ist, dann würde diese Person aber doch nicht bei einem Wetterwechsel an der frischen Luft spazieren gehen - oder?
 
Richtig, wenn ich wetterfühlig bin, muss ich versuchen den Körper zu stärken. Wenn jemand wetterempfindlich ist, ist er sowieso schon beeinträchtigt. Da hilft das Spazieren gehen nicht viel. Diese Personen brauchen die Unterstützung eines Ärztes.
 
Wetterfühlige können ihren generellen Zustand verbessern, wetterempfindliche Menschen brauchen ärztliche Hilfe. Beide Gruppen können sich mit der Wettervorhersage und dem Biowetter entsprechend vorbereiten.
 
Leider ist es so, dass die meisten Menschen die Wetterfühligkeit als etwas Negatives betrachten. Es gibt aber auch Wetterlagen - zum Beispiel Hockdruckwetter, ideal sind 15 bis 25 Grad - da sind die Beschwerden sogar geringer als sonst.
Es gibt also auch Wetter, das Menschen positiv beeinflusst.

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Asthma & das Wetter

Wie wirkt sich das Wetter auf die Beschwerden von Asthmatikern aus?
 
Wenn es kalt ist, ziehen sich die Atemwege zusammen, da haben es Asthmatiker schwerer. Schauen wir uns generell die Wetterveränderungen an, ist es so, dass ein Tiefdruckgebiet etwa 1-3 Tage dauert. Danach kommt es zu einer Anpassung.
 
Menschen reagieren generell, wenn es eine starke Veränderung gibt. Das ist der Fall, wenn bei einem Tiefdruckgebiet eine Warmfront kommt: Danach gibt es meist eine Veränderung mit mehr Wolken, es kann Regen kommen und es kommt eine Kaltfront.
Da kommt es häufig zu einer raschen Temperaturänderung innerhalb von ein paar Stunden. Ein Körper, der Vorbelastungen wie ein Asthma hat, kann sich an sowas nicht so gut anpassen.

Rheuma & das Wetter

Wie sieht es bei Menschen mit Rheuma aus?
 
Bei Rheuma ist überwiegend in der kalten Jahreszeit problematisch. Der Mensch empfindet Temperaturen oder Wetterbedingungen von etwa 15 - 25 Grad als angenehm. Außerhalb dieses Bereichs muss der Körper viel mehr arbeiten, um seine optimale Regulation zu erreichen.
 
Und bei den Rheumatikern ist es halt so, dass die Veränderung des Wetters zusammen mit Bewegungen den Bewegungsapparat, die Knochen oder insgesamt die Muskeln weitaus mehr belasten.

Herz-Kreislauf-Krankheiten & das Wetter

Wie ist das bei Menschen mit Herz-Kreislauferkrankungen?
 
Bei den Herz-Kreislauf-Erkrankungen ist es so, dass die Thermoregulation beeinflusst wird. Bedingungen von 20 bis 25 Grad sind für den menschlichen Körper keine Herausforderung, aber je größer die Temperaturbelastung ist, umso belasteter ist die Blutzirkulation.
 
Es ist insgesamt ein Prozess, wo das Kreislaufsystem sehr stark beinträchtig werden kann und der Körper sehr schwitzt.

Wenn Sie noch einmal kurz zusammenfassen könnten: Wie können dann Menschen auf verschiedene Wetterlagen gesundheitsbewusst reagieren?
 
Ich kann meinen Körper trainieren und durch Fitness stärken. Letztlich hilft alles, was den Gesundheitszustand verbessert. Auch Wechselduschen, frische Luft - letztlich allles, was der individuellen Stabilisierung der Gesundheit gut tut.

Herr Prof. Dr. Andreas Matzarakis, danke für das Gespräch!
Das Interview führte Laura Will

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