Kopfschmerz: Frau legt Hände an schmerzende Schläfen (Bild: imago images/Panthermedia)
Bild: imago images/Panthermedia/Andriy Popov

Von Spannungskopfschmerz bis Migräne - Hilfe bei Kopfschmerzen: Formen, Ursachen & Behandlung

Damit Spannungskopfschmerz, Schläfenkopfschmerzen & Co. nicht dauerhaft quälen, muss Kopfschmerz schnell diagnostiziert und effektiv behandelt werden.

Infos in Kürze

• Es gibt verschiedene Kopfschmerzformen: Die häufigste Form der Kopfschmerzen sind Spannungskopfschmerz, Migräne und Clusterkopfschmerzen.
• Eine frühe, exakte Diagnose der Kopfschmerzen ist für die passende Behandlung wichtig.
• Gesunde Lebensführung und Bewegungstherapie sind genauso wichtig für die Behandlung von Kopfschmerzen, wie Arzneien & Medikamente.

Das Symptom Kopfschmerzen ist so alt wie die Menschheit selbst und es gibt sehr verschiedene Kopfschmerzformen. Dem Symptom Kopfschmerzen können dabei ganz viele unterschiedliche Krankheiten zugrunde liegen und es ist nicht immer leicht, ihnen auf die Spur zu kommen.
Sicher ist: Kopfschmerzen bzw. Attacken von Kopfschmerz machen vielen Menschen das tägliche Leben zur Hölle, besonders wenn sie mit Übelkeit und Erbrechen einhergehen. Aber: Nur in seltenen Fällen sind Kopfschmerzen wirklich gefährlich.

Klar: Kopfschmerz ist nicht gleich Kopfschmerz – es gibt viele Kopfschmerzerkrankungen. Entsprechend kursieren in der Bevölkerung viele verschiedene Bezeichnungen wie zum Beispiel Anstrengungskopfschmerz, Schläfenkopfschmerzen, Stirnkopfschmerzen, Schädelbrummen oder Belastungskopfschmerz. Wir haben Infos zu Ursachen, medizinischen Kopfschmerzformen und Behandlungsmöglichkeiten hier für Sie zusammengetragen.

Kopfschmerzarten: Spannungskopfschmerz, Migräne & Co. unterscheiden

Fachleute unterschieden mehr als 250 verschiedene Kopfschmerzerkrankungen und Kopfschmerzformen. Die Symptome der Erkrankung überschneiden sich teilweise. Beschwerden wie Muskelverspannungen oder Lichtempfindlichkeit und Lärmempfindlichkeit können zum Beispiel sowohl bei Migräne als auch bei einer Attacke von Spannungskopfschmerz auftreten.
Wichtig ist dennoch, Spannungskopfschmerzen von der Migräne abzugrenzen. Denn für beide Kopfschmerzformen gibt es eine unterschiedliche Behandlung. Auch eine Infektion mit Corona kann verschiedene Kopfschmerzen verursachen.

Spannungskopfschmerzen treten meist zwischen dem 20. und 30. Lebensjahr zum ersten Mal als Attacke auf. Diese Kopfschmerzen gehen meist auf Stress und Muskelverspannungen zurück. Sie können selten aber auch Zeichen für weitere Krankheiten sein, zum Beispiel Bluthochdruck oder Veränderungen an den Augen. Diese Ursachen für Kopfschmerzen sollten unbedingt ausgeschlossen werden, sonst kann es zu gefährlichen Situationen wie zum Beispiel einem drohenden Schlaganfall durch stark erhöhten Blutdruck oder einer Gerinnungsstörung kommen.

Ärzte und Ärztinnen brauchen daher viel Wissen, Erfahrung und Fingerspitzengefühl, um die exakte Diagnose bei Kopfschmerzen zur Erkrankung zu stellen. Der erste Ansprechpartner bei Kopfschmerzerkrankungen ist der Hausarzt oder die Hausärztin. Wissen sie bei Kopfschmerzen nicht mehr weiter, ziehen sie entsprechende Spezialisten hinzu. Das sind in der Regel Neurologen oder Schmerztherapeutinnen. Sie kennen sich mit typischen Ursachen von Schmerzen an Stirn, Nacken oder dem Hinterkopf aus und haben die Erfahrungen mit speziellen Therapiemethoden, wie zum Beispiel Bewegungstherapie gegen Kopfschmerzen.

Wichtig: Die Patienten und Patientinnen sollten ihren Kopfschmerz beim Praxisbesuch möglichst detailliert beschreiben können. Ganz selten wird zur Ursachenfindung auch mal ein Kollege aus der Umweltepidemiologie hinzugezogen. Dann untersucht dieser Sachverständige zum Beispiel, ob die Innenraumluftqualität in der Wohnung eines Betroffenen die Ursache für dessen starken Kopfschmerz sein kann.

Am weitesten verbreitet sind diese Kopfschmerzerkrankungen:
Migräne
Spannungskopfschmerz
• Schmerzmittelbedingter Kopfschmerz
• Clusterkopfschmerz
• Zervikogener Kopfschmerz (von der Halswirbelsäule ausgehend).

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Symptome: Anzeichen für Migräne, Clusterkopfschmerz, zervikogenen Kopfschmerz

Migräne: Die Migräne zeichnet sich durch einseitig pochende, pulsierende Schmerzen im Kopf aus, die meist schon in der Nacht oder dem frühen Morgen beginnen. Bei körperlicher Anstrengung sind diese Kopfschmerzen mit Übelkeit und Erbrechen vergesellschaftet. Außerdem gibt es sogenannte neurologische Störungen (manchmal auch Begleitsymptome genannt) wie Sehstörungen, Sprachstörungen, oder Sensibilitätsstörungen, Lähmungserscheinungen, Kribbeln in den Fingern oder eine andere Neuralgie.

Spannungskopfschmerzen: Sie beginnen tagsüber und äußern sich in dumpf-drückenden Kopfschmerzen, die meist vom Hinterkopf bis zur Stirn ziehen. Begleitsymptome, wie Spannungsgefühle in der Muskulatur, sind häufig.

Schmerzmittelbedingter Kopfschmerz: Das sind einseitige oder beidseitige dumpfe Kopfschmerzen, die mehrmals wöchentlich auftreten und mit Begleitsymptomen wie Übelkeit, Brechreiz & Erbrechen sowie Sehstörungen und Konzentrationsstörungen einhergehen können.

Clusterkopfschmerzen: Darunter verstehen Experten und Expertinnen bohrende, brennende Schmerzattacken, die besonders im Frühjahr und Herbst einseitig um ein Auge herum auftreten und von Begleitsymptomen wie tränenden Augen, Schnupfnase, Unruhe und geschwollener Schläfenarterie begleitet sind.

Zervikogener Kopfschmerz: Er hat seinen Ursprung in der Halswirbelsäule und beginnt meist einseitig am Hinterkopf. Der Zervikogene Kopfschmerz wandert dann nach vorne, oft von Nackenschmerzen, Schulterschmerzen oder Armschmerzen begleitet. Zervikogene Kopfschmerzen lassen sich durch Medikamente oft nicht bessern.

Behandlung: Hausarzt statt Hausmittel

Statt zum Arzt zu gehen, doktern viele Patienten und Patientinnen mit Kopfschmerzen generell zu lange selbst herum, zum Beispiel mit dem "Hausmittel der Familie" gegen die Erkrankung. Durch diese oft medikamentenfreie Behandlung von Kopfschmerzen vergeht oft viel unnötige Zeit für eine effektive Behandlung der spezifischen Kopfschmerzarten.

Gerade wenn Kinder von Kopfschmerzen und / oder Attacken von Schmerzen betroffen sind, werden sie oft mit einer unzureichender Selbstmedikation aus der Apotheke versorgt. Klassiker sind Schmerzmittel mit Acetylsalicylsäure, kurz ASS.
 
Patienten sollten sich jedoch die Medikamente – sowohl für sich selbst als auch für die Behandlung von Schmerzen bei Kindern – aber besser vom Hausarzt oder der Hausärztin verschreiben lassen. Er oder sie erklärt ihnen auch die richtige Einnahme der Medikamente bzw. Schmerzmittel. 

Hintergrund: Alle Schmerzmittel und Triptane gegen Migräne können zu einem schmerzmittelinduzierten Kopfschmerz führen, wenn man sie zu häufig einnimmt. Heißt: Im schlimmsten Fall kann die Behandlung mit Schmerzmitteln selbst wieder Kopfschmerzen verursachen oder verstärken. Das Risiko für einen Kopfschmerz durch Kopfschmerzmedikamente besteht, wenn an mehr als neun Tagen pro Monat Schmerzmittel genommen werden.

Wann mit Kopfschmerzen zu Arzt oder Ärztin?

Der Gang zum Arzt ist also empfohlen, wenn ... :
• erste Maßnahmen gegen die Schmerzen keine Linderung bringen. Dazu zählen Ruhe, Schlaf, ein kühlendes Tuch auf der Stirn, eine sanfte Massage mit Pfefferminzöl.
• die Kopfschmerzen trotz Behandlung häufiger und stärker werden.
• die Arbeit durch den Schmerz nicht mehr wie gewohnt ausführbar ist.

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Exakte Diagnose finden: Clusterkopfschmerzen, Migräne oder Corona

Der Arzt oder die Ärztin führt zunächst eine ausführliche körperliche und neurologische Untersuchung durch, um Kopfschmerzarten zu unterscheiden und dem Schmerz auf die Spur zu kommen. Im Anschluss folgen:
• eine Untersuchung der Schmerzempfindlichkeit der Kopfmuskulatur sowie der Nervenaustrittspunkte aus dem Schädel.
• das Abhören der Kopfblutgefäße.
• die Untersuchung der Kopf- und Nackenmuskulatur, um Verspannungen zu erkennen.
• die Untersuchung des Muskel- und Sinnesorgane.
• das Blutdruckmessen.

Ergeben sich keine Hinweis auf andere Erkrankungen, erübrigen sich in der Regel weitere Röntgenuntersuchungen oder andere apparative Untersuchungen. Sollte der Arzt nach Abschluss der körperlichen Untersuchung jedoch Verdachtsmomente auf ernste Ursachen der Kopfschmerzen haben, kommen weitere bildgebende Untersuchungen zum Einsatz. Dazu zählen:
• Doppler-Sonografie
• Elektroenzephalogramm (EEG)
• Computertomographie (CT)
• Magnetresonanztomografie (MRT)

Migräne hat andere Ursachen als Schmerzmittelkopfschmerz

Während der Spannungskopfschmerz häufig durch Auslöser wie Stress, Verspannung, körperliche und seelische Belastung entsteht und Attacken entsprechend ursächlich (dem Auslöser nach) behandelt werden kann, wird die Anlage zur Migräne vererbt.
 
Verantwortlich für die heftigen Symptome der Migräne ist dann vor allem eine Überaktivität von Botenstoffen an den Nervenenden im Gehirn. Im Bereich der Hirnhäute dehnen sich die Blutgefäße im Gehirn aus und entzünden sich.

Das Risiko für einen Kopfschmerz durch Kopfschmerzmedikamente besteht, wenn an mehr als neun Tagen pro Monat Schmerzmittel genommen werden. Warum das im Gehirn passiert, weiß man bisher nicht.

1. Schritt: medikamentenfreie Behandlung

Zunächst empfehlen Experten und Expertinnen verschiedene medikamentenfreie Möglichkeiten gegen den Kopfschmerz und seine Attacken auszuprobieren. Zu diesen Möglichkeiten der Behandlung bei Kopfschmerzen zählen zum Beispiel:
 
• eine gesunde, ausgewogene Lebensführung.
Bewegung statt hinlegen: Vor allem Ausdauersport an frischer Luft erhöht die Durchblutung und versorgt den Kopf und Körper mit mehr Sauerstoff.
• Feste Essenzeiten und eine ausgewogene Ernährung können vorbeugend helfen. Sie lassen den Blutzuckerspiegel nicht so schnell abfallen – ein möglicher Auslöser von Kopfschmerzen.
• Betroffene sollten mindestens zwei Liter über den Tag verteilt trinken, zum Beispiel Wasser, ungesüßten Tee oder Saftschorlen.
Stressbewältigung durch Entspannungsverfahren, wie die Progressive Muskelrelaxation nach Jacobsen, können einem wichtigen Auslöser von Kopfschmerzen entgegenwirken.
• Bei leichten Formen von Kopfschmerzen kann zudem Kaffee helfen. Koffein lässt erweiterte Gefäße im Kopf zusammenschnurren, Druck und Spannung nehmen ab.
• Linderung bei Kopfschmerzen bringt zudem zehnprozentiges Pfefferminzöl. Auf Schmerzpunkte an Schläfen und Stirn massiert, hemmt es Schmerzbotenstoffe und regt Kältesensoren und Drucksensoren an.
Wärme oder Kälte: Manchen Betroffenen hilft ein warmes Wannenbad, um verspannte Muskelpartien im Nacken und Schulterbereich zu entspannen. Anderen tut Kälte gut tun: Ein nasser Waschlappen oder ein Cool-Pack auf der Stirn können Spannungskopfschmerzen lindern.

2. Schritt: medikamentöse Behandlung & Bewegungstherapie

Hilft das alles nicht, kann die medikamentöse Akuttherapie den Schmerz mit Medikamenten wie Paracetamol, Acetylsalicylsäure (ASS) oder Ibuprofen minimieren. Die Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft empfiehlt auch Kombinationspräparate mit Acetylsalicylsäure ASS, Paracetamol und Koffein.
 
Die zusätzliche, gezielte Physiotherapie oder manuelle Therapie führen dazu, die Schulterwirbelsäule und Halswirbelsäule zu entlasten, die verkürzte Muskulatur zu dehnen, Verspannungen zu lösen und die Muskulatur zu stärken. Das wirkt muskulären Auslösern von Kopfschmerzen entgegen.

Beitrag von Beate Wagner

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