Long Covid: Frau liegt mit Hand über Augen auf Sofa (Bild: unsplash/Mel Elias)
Bild: unsplash/Mel Elias

Was wissen wir? - Long Covid: Symptome erkennen und Langzeitfolgen behandeln

Müdigkeit und Konzentrationsprobleme sind Symptome, die als Langzeitfolgen nach Corona bleiben. Mehr über Long Covid Symptome und Therapie steht hier:

Die Covid-19 Erkrankung liegt länger zurück und trotzdem fühlen sich manche Menschen einfach nicht wieder richtig gesund. Kurzatmigkeit, Herzrasen, starke Müdigkeit und Erschöpfung oder Konzentrationsprobleme, sind nur einige der rund 200 verschiedenen Symptome von Long Covid.
 
Von den rund 30 Millionen Menschen, die bislang in Deutschland an Covid-19 erkrankt sind, entwickeln rund zehn Prozent Long Covid. Das sind um die drei Millionen Menschen. Sie adäquat zu versorgen, ist eine Mammutaufgabe für das deutsche Gesundheitssystem.

Was ist Long Covid?

Manche Betroffene denken zunächst, die Covid-19 Erkrankung sei zurückgekehrt, weil sie sich wieder ähnlich krank fühlen. Doch Long Covid ist eine eigenständige Erkrankung, von der man spricht, wenn typische Beschwerden vier Wochen nach der Infektion immer noch bestehen. Manchmal treten diese Beschwerden auch nach einem längeren Zeitraum auf, indem man sich schon wieder ganz gesund gefühlt hat, die Symptome können einem also wie eine Spätfolge oder neue Corona-Erkrankung erscheinen.
 
Neben dem Begriff "Long Covid" hat sich auch der Begriff "Post Covid-Syndrom" etabliert. Davon spricht die Weltgesundheitsorganisation, wenn den Alltag stark einschränkende Symptome länger als drei Monate anhalten.

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Mehr als 200 Symptome bei Long Covid

Die Zahl von 200 Symptomen, die im Juli 2021 zum ersten Mal im Rahmen einer internationalen Studie veröffentlich wurde, lässt erahnen, wie vielschichtig die Erkrankung Long Covid ist. Allerdings lassen sich durchaus einige Hauptsymptome nennen, wie:

• starke Erschöpfung,

• Kurzatmigkeit und

• kognitive Störungen.
 
Hinzu kommen eine Vielzahl weiterer Beschwerden wie Kopfschmerzen, Konzentrationsschwäche, Schlafstörungen, Muskelschmerzen, Druckgefühl auf dem Brustkorb, Depressionen und Angstzustände.
 
Im April 2022 wurden Daten eines Forschungsteams veröffentlicht, dass ein Jahr lang die Vitaldaten von Freiwilligen nach einer Corona-Infektion erfasst hatte. Hunderttausende hatten mit Hilfe von handelsüblichen Fitnessarmbändern zum Beispiel ihren Ruhepuls, die tägliche Schrittzahl oder ihre Herzfrequenz erfasst und in eine App übertragen.

 
Es zeigte sich, dass Menschen, die eine Corona-Infektion durchgemacht haben, oft über drei Monate lang einen höheren Ruhepuls haben, dass ihre Schlafdauer erhöht und ihre Bewegungsaktivität reduziert ist.
Bei Geimpften hatte eine Infektion schwächere Nachwirkungen, sie hielten zudem auch nicht so lange an.
 
Neben solchen und ähnliche Symptomen leidet ein Teil der Betroffenen auch unter Organschäden als Langzeitfolge von Corona. Daten eines Forschungsprojekts der Universitätsklinik Ulm zufolge, hat etwa jeder fünfte Long Covid Patient Schäden an Organen, vor allem in Form von Herzmuskelentzündungen.

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Chronische Fatigue und Long Covid

Eine andere schwer belastende Spätfolge einer Covid-19 Erkrankung ist das so genannte chronische Fatigue-Syndrom, fachsprachlich auch ME/CFS genannt. Aktuell wird davon ausgegangen, dass etwa ein bis zwei Prozent aller SARS-CoV-2-Infizierten eine schwere Form von Long Covid entwickeln, bei der nach mindestens sechs Monaten die Diagnosekriterien für ME/CFS erfüllt sind.
 
Die Zahl der von diesem schweren Krankheitsbild betroffenen Menschen dürfte sich durch Long Covid inzwischen auf rund 300.000 Menschen erhöht haben, sagte Prof. Carmen Scheibenbogen von der Immundefekt-Ambulanz der Charité jüngst bei einem Expertengespräch in Berlin: "Das große Problem bei dieser Erkrankung ist, dass sie sehr lange verkannt wurde, im Sinne einer psychosomatischen Erkrankung oder eines Burnout. Das ist auch der Grund dafür, dass dazu bis heute wenig geforscht wird und auch keine Medikamente entwickelt wurden. Bis heute gibt es kein für die Behandlung von ME/CFS zugelassenes Medikament, welches wir jetzt auch für Long Covid auch einsetzen könnten", so die Leiterin des Charité Fatigue Centrums in Berlin.
 
Charakteristisch für das chronische Fatigue-Syndrom ist die Belastungsintoleranz. Sobald Betroffene sich anstrengen, verschlimmern sich die Symptome, es kommt zu so genannten "Crashs".
Prof. Scheibenbogen ergänzt: „Dann ist zunächst ganz wichtig, dass die Patienten verstehen, was eigentlich mit ihnen los ist, warum sie schon nach leichter Anstrengung einen richtigen Crash bekommen, es ihnen dann noch viel schlechter geht und sie dann tagelang schlimme Schmerzen haben und liegen müssen. Das gilt es zunächst zu vermeiden. Denn wenn man da nicht rauskommt aus diesem Teufelskreis, dann kann es einem schlechter und schlechter gehen."

Wie entsteht Long Covid?

Es gibt verschiedene Erklärungsansätze dazu, wie Long Covid entsteht. Zum einen nimmt man an, dass noch Virusbestandteile oder ganze Viren im Körper sind, die eine andauernde Entzündungsreaktion hervorrufen.
Zum anderen gibt es auch Patientinnen und Patienten, die durch die Covid-19 Erkrankung organische Schäden, zum Beispiel am Herzen oder der Lunge davongetragen haben.
 
Zwei andere wichtige Hypothesen zur Krankheitsentstehung sind Gerinnungsstörungen und Gefäßerkrankungen, sowie eine fehlerhafte Funktion des Immunsystems, die zumeist auch mit einer Störung des autonomen Nervensystems verbunden ist; des Nervensystems, das für unbewusste Funktionen wie zum Beispiel das Atmen oder den Herzschlag zuständig ist.
 
"Wir gehen davon aus, dass es eine Autoimmunerkrankung ist, also eine Erkrankung bei der das Immunsystem infolge der Erkrankung stark reagiert und am Ende nicht wieder richtig zur Ruhe kommt und sich auch gegen Körpergewebe richtet oder gegen Oberflächenstrukturen auf Zellen", sagt Prof. Carmen Scheibenbogen, Leiterin der Immundefekt-Ambulanz der Charité. Das führe auch dazu, dass die Feinsteuerung des autonomen Nervensystems nicht mehr richtig funktioniert.
 
Eine Folge dieser gestörten Feinsteuerung kann sein, dass das Blut nicht mehr ausreichend durch den Körper gepumpt wird. "Und das äußert sich vor allem im Stehen, das heißt, sobald ich mich hinstelle, versackt das Blut bei mir in den Beinen, mir wird schwindelig und mein Herz schlägt extrem schnell", schildert die unter Long Covid leidende Mia.

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Was bedeutet Long Covid für den Alltag der Betroffenen?

Menschen die unter Long Covid leiden, sind oft nicht mehr in der Lage, in gewohntem Umfang ihren Berufs- und Alltagstätigkeiten nachzugehen, ohne dass sich ihr Gesundheitszustand dadurch langfristig verschlechtert.
 
Laut einer Studie sind 45 Prozent der Long Covid-Erkrankten nach über sechs Monaten nicht in der Lage in Vollzeit zu arbeiten; 20 Prozent sind arbeitsunfähig und 80 Prozent der Betroffenen, die nach sechs Monaten noch Beschwerden haben, leiden auch nach mehr als einem Jahr noch an den Spätfolgen der Corona-Infektion. Auch Kinder und Jugendliche sind von Long Covid betroffen.
 
Laut dem Gesundheitsreport der Technikerkrankenkasse von Juli 2022 war im Jahr 2020 etwa jeder achte erwerbstätige Versicherte an Covid-19 erkrankt. Ein Prozent von ihnen litt unter Long Covid, wobei von einer hohen Dunkelziffer ausgegangen wird. Die Zahl der mit diesen Langzeitfolgen verbundenen Krankheitstage war mit 105 Krankheitstagen deutlich erhöht, gegenüber durchschnittlich 14 Krankheitstagen bei anderen Erkrankungen.

Wen trifft Long Covid besonders häufig?

Im Prinzip kann es jeden und jede treffen, aber inzwischen zeichnen sich bestimmte Risikofaktoren ab, die ein Auftreten von Long Covid wahrscheinlicher machen:

• Geschlecht: Frauen sind häufiger betroffen als Männer.

• Ein schwerer Krankheitsverlauf von Covid-19.

• Psychische und chronische Vorerkrankungen, zum Beispiel Diabetes.

• Alter: Long Covid trifft häufiger junge und mittelalte Menschen.

• Soziale Benachteiligung.

• Eine frühere Infektion mit dem Epstein-Barr-Virus.
 
Allerdings können auch Menschen erkranken, die einen leichten Verlauf der Covid-19 Erkrankung hatten. "Man geht davon aus, dass fast zehn Prozent der Long-Covid-Patienten zu den eigentlich leichten Covid-19-Fällen gehören. Darunter sind vor allem Frauen und zwar Frauen unter 55 Jahren", sagt Prof. Christine Falk, Präsidentin der Deutschen Gesellschaft für Immunologie.

Wo steht die Forschung zu Long Covid?

Im September 2021 hat das Bundesministerium für Bildung und Forschung 6,5 Millionen Euro für die Long Covid-Forschung vergeben. Zum Vergleich: In den USA sind es 1,15 Milliarden US Dollar, in Großbritannien 20 Millionen Pfund. Allerdings wurden im November 2021 Maßnahmen zur besseren Erforschung und Versorgung der Langzeitfolgen bzw. Spätfolgen von Covid-19 und von ME/CFS (chronische Fatigue) in den Koalitionsvertrag der Bundesregierung aufgenommen.
 
Für Therapiestudien mit bereits zugelassenen Medikamenten, wurden vom Bundesforschungsministerium 10 Millionen Euro in Aussicht gestellt. Das Klinische Studienzentrum am Berlin Institute of Health der Charité biete dafür die notwendige Infrastruktur, sagt Immunologin Prof. Carmen Scheibenbogen, die sich zurzeit intensiv um die Durchführung solcher Therapiestudien bemüht.

Neue Therapieansätze bei Long Covid

Die Augenärztin und Molekularmedizinerin Dr. Dr. Bettina Hohberger von der Friedrich-Alexander-Universität in Erlangen hat durch Zufall entdeckt, dass ein Herzmedikament auch gegen Symptome von Long Covid helfen kann.
Hintergrund war die Behandlung von Patienten und Patientinnen mit einem erhöhten Augeninnendruck (Glaukom). Sie hatten ein Herzmedikament mit dem Namen BC 007 erhalten, dass sich nicht nur positiv auf die Durchblutung des Auges, sondern auch auf die des Herzen und anderer Organe auswirkte, die bei Long Covid-Patienten gestört ist.
 
Allerdings müssen jetzt Zulassungsstudien mit BC 007 erfolgen, die im Moment daran scheitern, dass die Berliner Firma "Berlin Cures", die dieses Medikament herstellt, derzeit nicht liefern kann. Eine multizentrische Studie, die an 15 Kliniken in Europa stattfinden soll, soll ab Anfang 2023 laufen und eine Zulassung für BC 007 auch für Long Covid-Patienten möglich machen.
 
Ein anderes Beispiel: Die Internistin Dr. Beate Jäger aus Mühlheim an der Ruhr bietet in ihrer Praxis ein spezielles Blutwäsche-Verfahren an, das gegen Long Covid helfen soll, die so genannte H.E.L.P.-Apherese. Dabei werden mechanisch bestimmte Stoffe aus dem Blut gefiltert, wie zum Beispiel Cholesterin, Gerinnungsfaktoren, Autoantikörper oder entzündungsvermittelnde Zytokine.
Darüber hinaus entfernt die H.E.L.P.-Apherese möglicherweise auch Spike-Proteine des SARS-CoV-2 Virus aus dem Blut. Kombiniert wird diese Blutwäsche mit einer gezielten gerinnungshemmenden Therapie. Das soll die Organdurchblutung, die Funktion der Gefäßwände und die Blutzirkulation in den kleinsten Gefäßen verbessern.
Die Therapie muss allerdings von den Betroffenen selbst gezahlt werden, da wissenschaftliche Nachweise der Wirksamkeit nicht in ausreichendem Maße vorliegen.

Wie kann Betroffenen mit Covid-Spätfolgen geholfen werden?

So vielfältig wie die Symptome und auch die Ursachen von Long Covid sind, so unterschiedlich muss diese Frage beantwortet werden. Stehen Organschäden an Herz, Lunge oder neurologische Beschwerden im Vordergrund, gibt es Fachärzte und auf diese Bereiche spezialisierte Rehabilitationsangebote, die Betroffene aufsuchen und nutzen sollten.
 
Symptome wie Schlafstörungen, Schmerzen, Depressionen oder Kreislaufprobleme können mit Medikamenten behandelt werden, die schon lange für diese Beschwerden zugelassen sind.
 
Schwieriger ist die Behandlung der Fatigue, unter der viele Long Covid Patienten leiden. Wichtig ist es, dass Betroffene Stress und Überlastung unbedingt vermeiden, da das die Symptome noch verschlechtert (Belastungsintoleranz). Das Stichwort hier heißt Pacing: was letztlich bedeutet, dass die Betroffenen lernen, ihre Belastungsgrenze wahrzunehmen und auf keinen Fall darüber hinausgehen.
Diese Belastungsgrenze kann allerdings von Tag zu Tag unterschiedlich sein, was es Patientinnen und Patienten erschwert, Aktivitäten und soziale Kontakte zu planen.
 
Viele ziehen sich dann ganz zurück und sind sozial isoliert. Das sollte wenn irgend möglich verhindert werden, da die psychische Verfassung einen großen Einfluss auf die Ausprägung des chronischen Erschöpfungssyndroms (ME/CFS) hat. Was nicht zu verwechseln ist mit dem Erklärungsansatz, ME/CFS, sei psychisch begründet, was immer noch ein weit verbreitetes Vorurteil ist.
 
Manche Ärzte und Ärztinnen raten von chronischer Erschöpfung Betroffenen immer noch, sich sportlich zu betätigen. Auch Reha-Angebote sind oftmals so konzipiert, dass sie auf die Steigerung der körperlichen Leistungsfähigkeit setzten und sogar die Zahlung von Versicherungsleistungen von der Teilnahme abhängig machen.
Das müsse dringend verändert und für ME/CFS-Patienten passende Reha-Angebote geschaffen werden, so das Credo bei einem Expertengespräch, an dem auch Vertreterinnen von drei Betriebskrankenkassen teilgenommen haben.

Wie wird man mit Long Covid in Deutschland versorgt?

Inzwischen gibt es eine ganze Reihe von so genannten Post COVID-19-Ambulanzen und auch Rehabilitationskliniken, die sich auf die Versorgung von Patientinnen und Patienten mit Long Covid spezialisiert haben.
Die Deutsche Rentenversicherung informiert auf ihrer Internetseite über die Antragstellung für eine Reha.
In einem ersten Schritt empfiehlt Prof. Carmen Scheibenbogen: den Hausarzt aufzusuchen, wenn vier Wochen nach einer Covid-19-Erkrankung immer noch Symptome bestehen. Er oder sie entscheidet dann, je nach Symptomatik, ob zum Beispiel an eine Kardiologin, einen Lungenfacharzt oder eine Neurologin überwiesen wird.
Auch die Long Covid Spezialambulanzen in Berlin sind jeweils nach diesen Fachdisziplinen ausgerichtet.
 
Weniger gut ist die Versorgung im Bereich "Chronisches Fatigue-Syndrom" (ME/CFS). Hier gibt es nur eine Spezialambulanz für Erwachsene an der Berliner Charité und eine Spezialambulanz für Kinder und Jugendliche in München.

Beitrag von Ursula Stamm

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