Finger auf Buchstaben eines Sehtests mit verschwommenen Rändern (Bild: imago images/Imaginechina-Tuchong)
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Hintergrund: Grüner Star & Co. - Glaukom: Alarm für den Sehnerv

Der Begriff Glaukom fasst verschiedene Augenerkrankungen zusammen, bei denen der Sehnerv unwiederbringlich zerstört wird. Ist z.B. der Augeninnendruck stark erhöht, gehen Nervenzellen auf der Netzhaut und im Sehnerv selbst zugrunde. Es kommt zu so "Gesichtsfeldausfällen" - tatsächlich verschwinden immer mehr Bereiche des Blickfeldes.

Der Sehnerv und seine hochsensiblen Nervenfasern leiten die Impulse der Sehrezeptoren in die Sehrinde im Gehirn weiter. Dort werden die Bilder verarbeitet - so sehen wir mit Auge und Gehirn. Wird der Sehnerv zum Beispiel durch einen erhöhten Augeninnendruck aber geschädigt, gehen Nervenzellen auf der Netzhaut und im Sehnerv selbst zugrunde. Es kommt zu so genannten Gesichtsfeldausfällen: Das Auge kann nicht mehr alle Bereiche des Blickfeldes gleich gut erkennen.
 
Die Blickfeldausfälle beginnen in der Regel in der Peripherie und schreiten von dort aus fort, bis nur noch eine zentrale oder periphere Gesichtsfeldinsel besteht. Zudem gibt es weitere funktionelle Störungen wie Kontrastsinn- und Farbsinnstörungen und Leseschwierigkeiten.

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Gefahr für Erblindung oft lange unerkannt

Im Volksmund ist diese Erkrankung - das Glaukom - auch als Grüner Star bekannt. Deutschlandweit gibt es geschätzt 800.000 Menschen mit Glaukom. Allein 2020 gab es weltweit schätzungsweise 79,6 Millionen Betroffene und hierzulande leben rund fünf Millionen Menschen mit einem erhöhten Risiko für ein Glaukom.
 
Das Glaukom ist die weltweit zweithäufigste Ursache für Erblindung. Jedes Jahr verlieren 2.000 Betroffene in Deutschland durch ein unbehandeltes Glaukom ihr Augenlicht. Hauptrisikofaktoren für ein Glaukom sind das Alter und der erhöhte Augeninnendruck des Patienten.
Haben in Europa gerade mal drei von hundert Menschen zwischen 40 bis 80 Jahren ein Glaukom, ist bei den 90-Jährigen bereits jeder zehnte betroffen.
 
Die Erkrankung bleibt jedoch durch den schleichenden, schmerzlosen Prozess für Patientinnenen oft lange unentdeckt. So weiß fast jeder zweite Betroffene nicht, dass er ein Glaukom hat.

Wie kommt es zu einem erhöhten Augeninnendruck?

Der Augeninnendruck wird über das Kammerwasser reguliert und vom Blutdruck und dem allgemeinen Gefäßzustand beeinflusst. Damit das Auge seine pralle runde Form behält und klare Bilder auf der Netzhaut produziert werden, wird Kammerwasser im Inneren des Auges vom sogenannten Ziliarkörper ständig produziert. Normalerweise fließt das Kammerwasser durch die Pupille in die vordere Augenkammer. Es wird über spezielle Venen abgeleitet.
 
Beim Glaukom gibt es ein Missverhältnis im Zu- und Abfluss des Kammerwassers. Dadurch erhöht sich der Augeninnendruck und drückt den empfindlichen Sehnerv so zusammen, dass dieser absterben kann. Das Gefährliche: Anfangs bemerken die Betroffenen die Gesichtsfeldeinbußen nicht, weil die Lücken vom Gehirn kompensiert werden und der Nervenfaserverlust völlig schmerzlos ist. Schleichend verschlechtert sich also das Sehvermögen. Irgendwann droht die Erblindung.

In neun von zehn Fällen - vornehmlich im höheren Lebensalter - tritt ein sogenanntes Offenwinkelglaukom auf. Dabei kommt es durch eine Abflussbehinderung des Kammerwassers direkt im Abflussbereich des Augenwinkels zu der Druckerhöhung im Auge.
 
Eine weitere, häufige Form des grünen Stars ist das sogenannte Engwinkelglaukom. Vor allem weitsichtige Menschen sind davon betroffen. Bei ihnen ist der Kammerwinkel aufgrund des kürzeren Auges zu eng, sodass das Kammerwasser nur ungenügend abfließt.

Wie der Arzt das Glaukom frühzeitig erkennt

1. Die Früherkennungsuntersuchung ist die einzige Möglichkeit, ein Glaukom zu erkennen, bevor ein irreversibler Schaden entstanden ist. Dabei misst die Augenärztin den Augeninnendruck. Die Untersuchung heißt Tonometrie. Ein normaler Augendruck liegt im Bereich von zehn bis 21 mm Hg.
Die Untersuchung ist schmerzfrei und dauert nur wenige Minuten. Ist der Augeninnendruck erhöht, spricht das für ein Glaukom.
 
2. Zusätzlich begutachtet der Augenarzt den Sehnerv. Häufig sieht er am Nerv bereits krankhafte Veränderungen, bevor sich dessen Funktion verschlechtert. Ist das der Fall, kann Augenarzt oder -ärztin weitere sinnvolle diagnostische Methoden in Angriff nehmen, wie zum Beispiel die Vermessung des Gesichtsfeldes und der Nervenfaserschicht.
 
Die Glaukom-Vorsorgeuntersuchung - empfohlen ab 40 Jahren - ist eine sogenannte individuelle Gesundheitsleistung (IGeL). Die anfallenden Kosten von etwa 20 Euro muss der Patient oder die Patientin selbst bezahlen.
Hat ein naher Verwandter ein Glaukom, können Augenärzte bei diesen Betroffenen die Augendruckuntersuchung im Rahmen der so genannten "Ordinationspauschale" durchführen. Damit wäre die Untersuchung kostenfrei. Die Ärztinnen sind dazu jedoch nicht verpflichtet. Die Rechnung nachträglich bei der Krankenkasse einzureichen, ist ebeneso nicht möglich.
 
Gibt es in der Familie einen Betroffenen mit einem Grünen Star, raten Ärztinnen und Ärzte deutlich vor dem 40. Lebensjahr zu der Vorsorgeuntersuchung.

Verschiedene Therapieoptionen

Eine Heilung des Grünen Stars ist nicht möglich. Die einzige evidenzbasierte Behandlung des Glaukoms ist derzeit die Augeninnendrucksenkung, um das Fortschreiten der Erkrankung zu verhindern.
Zunächst versucht der Augenarzt das mit Augentropfen. Ihm stehen dafür verschiedene Wirkstoffe zur Verfügung, somit kann er die Therapie bei Unverträglichkeiten auch wechseln. Die Tropfenbehandlung erfolgt meist lebenslang. Zudem muss der Augeninnendruck des Patienten oder der Patientin engmaschig mit Augendruck-, Gesichtsfeld- und Nervenfaserschichtmessungen kontrolliert werden.
 
Reichen die Medikamente nicht aus, stehen operative Behandlungsmethoden zur Wahl. Sie verbessern entweder den Abfluss oder verringern die Produktion des Kammerwassers. Bislang ist die sogenannte Trabekulektomie die Methode der Wahl. Der Eingriff erfolgt mittels Laser oder Skalpell. Kann das Operationsteam damit den Augeninnendruck um 20 bis 40 Prozent senken, verringert das den Gesichtsfeldverlust deutlich.

Minimalinvasive Methode mit weniger Risiko

Eine neue Operationsmethode zur Behandlung des Glaukoms ist die sogenannte Kanaloplastik. Sie wird inzwischen auch von den gesetzlichen Krankenkassen bezahlt. Das einfache und minimal-invasive Verfahren verbessert den Abfluss des Kammerwassers oder stellt ihn überhaupt erst wieder her.
 
Der Vorteil der Kanaloplastik gegenüber herkömmlichen Operationsmethoden besteht darin, dass die natürlichen Abflusswege im Auge erhalten bleiben und für den Abfluss besser genutzt werden können. Die Kanaloplastik kommt zum Einsatz, wenn der Schaden am Sehnerv noch nicht allzu groß ist.
 
Nach einer Glaukom-Operation müssen Patientinnen zu einer wichtigen Kontrolluntersuchung für zwei Tage ins Krankenhaus. Während des Aufenthalts wird dann alle vier Stunden der Augendruck gemessen. Sind die Werte gut, braucht der Patient anschließend keine Tropfen mehr - eine Zerstörung des Sehnervs durch den Grünen Star wurde gestoppt.

Wenn sich der Druck plötzlich erhöht

Ein Sonderfall ist der sogenannte Glaukom-Anfall: Dabei steigt der Innendruck plötzlich. Der Glaukomanfall ist - im Gegensatz zum chronischen Glaukom - sehr schmerzhaft. Das Auge ist gerötet, dazu können Allgemeinsymptome wie Übelkeit, Erbrechen und Kopfschmerzen kommen. Da letztere oft bei den Beschwerden im Vordergrund stehen, denken Betroffene, aber auch Ärzte nicht selten eher an neurologische Erkrankungen, wie einen Migräneanfall oder an einen Schlaganfall.
Hinweise auf ein Glaukom können Sehstörungen in Form von farbigen Ringen sein. In jedem Fall sollte man bei Hinweisen auf einen Glaukomanfall sofort eine Augenärztin bzw. einen augenärztlichen Notdienst aufsuchen.
 
Denn bei diesem medizinischen Notfall muss der Augenarzt sofort handeln, da sonst der Sehnerv irreparabel geschädigt wird und die Betroffenen erblinden. Häufig erleiden ältere Menschen einen Glaukomanfall. Bei ihnen ist durch die im Alter dicker werdende Linse weniger Platz im Auge. Bei diesen Patientinnen und Patienten ist es sinnvoll, nach einem Glaukomanfall beide Linsen auszutauschen.

Text: Beate Wagner

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