Gefahr Netzhautablösung: Frau bei augenmedizinischer Kontrollle (Bild: imago/Panthermedia)
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Im schlimmsten Fall droht Erblindung - Netzhautablösung: Ursachen, Symptome & Behandlung

Erfahren sie in diesem Artikel, woran Sie Symptome einer Netzhautablösung erkennen und wie diese durch Fachärzte behandelt werden kann.

In der Netzhaut (Retina) liegen unsere wichtigsten Sinneszellen für das Sehen: Stäbchen und Zapfen, auch Photorezeptoren genannt. Löst sich die Netzhaut von der darunterliegenden Schicht ab, kann sie schlechter z.B. mit Blut und so Nährstoffen und Sauerstoff versorgt werden und wird in ihrer Funktion eingeschränkt. Sehzellen sterben schlimmstenfalls ab und die Sehfähigkeit schwindet.
 
Die Netzhautablösung ist also ein echter Notfall fürs Auge, der schnellstmöglich behandelt werden muss.
 
Die gute Nachricht: Insgesamt ist die "Ablatio" realtiv selten. Die Zahl der Betroffenen jedes Jahr wird auf rund 10.000 geschätzt; Männer sind häufiger als Frauen betroffen, aber es gibt bestimmte Personengruppen, die besonders gefährdet sind.

Symptome: Wie erkennt man eine Netzhautablösung?

Als typische Anzeichen gelten Lichtblitze im Blickfeld, Schatten - also eine Einschränkung des Blickfeldes - und der sogenannte "Ascheregen". Betroffene beschreiben dabei schwarze Punkte, die sich im Blickfeld bewegen. Der Ascheregen wird durch eine rissbedingte Verletzung von Blutgefäßen ausgelöst. Die Lichtblitze treten auch auf, wenn die Augen geschlossen sind und werden meist durch Zug an der Netzhaut durch den Glaskörper ausgelöst.
 
Schwarze Schatten oder eine Art "Vorhang" im Sichtfeld können darauf hindeuten, dass sich die Netzhaut schon an Rändern abgelöst hat oder löst - das sollte unbedingt schnell untersucht werden. Findet die Ablösung am Punkt des schärfsten Sehens statt, kann das auch (ohne Schwarz) zum unscharfen Sehen oder gar gestörten Sehbildern führen.
 
Etwas unklarer ist das Symptom "fliegender Mücken", manchmal auch Mouches volantes genannt. Dahinter kann eine Netzhautablösung stecken, aber z.B. auch weniger gefährliche Trübungen des Glaskörpers. Die fliegenden Mücken sind eher Trübungen, also durchsichtig und man bemerkt sie beim Schauen auf helle Hintergünde besonders. Wer sie bemerkt - erst Recht, wenn sie sich verändern oder zunehmen - sollte das auf jeden Fall von einem Facharzt oder einer Fachärztin checken lassen.
 
Ein echtes Problem beim Erkennen der Symptome kann sein, dass sowohl das gesunde Auge, wie auch das Gehirn sehr effektiv sind in Sachen "Ausgleichen" - und so das Netzhautproblem des kranken Auges im Blick kompensieren.
 
Ein kleiner Trick kann helfen: Wer zur Risikogruppe gehört oder nur kleine Auffälligkeiten bemerkt, sollte mal versuchen das gesunde Auge zuzuhalten - so hat das Gehirn auch weniger "Bildmaterial" zum Ausgleichen und ein Symptom bzw. Problem kann besser eingeschätzt und schneller erkannt werden.
 
Wichtig: Schnelles Handeln bedeutet im Fall einer Netzhautablösung nicht etwa in den nächsten Tagen oder Wochen - dann können schon Schäden eingetreten sein, die nicht mehr rückgängig zu machen sind. Wer den Verdacht hat, sollte wirklich sofort medizinische Hilfe suchen und den Symptomen auf den Grund gehen.

Weitere Augenerkrankungen

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Was ist eine Netzhautablösung?

Wie der Name schon sagt, löst sich ein Teil der Netzhaut von der darunter liegenden Schicht - die ist aber für die Versorgung mit Nährstoffen und Sauerstoff besonders wichtig.
 
Die Ablösung wird direkt meist dadurch verursacht, dass Flüssigkeit durch winzige Löcher oder Risse eindringt und die Schichten voneinander "abhebt".
 
Tritt diese Ablösung am Punkt des schärfsten Sehens, der Makula, auf, wird die Sehfähigkeit extrem eingeschränkt und eine Erblindung droht - denn Sehzellen können sich nicht einfach regenerieren. Schnelles Handeln, um die Netzhaut möglichst rasch wieder "anzulegen" ist also entscheidend.

Was sind Ursachen für eine Netzhautablösung?

Eine Netzhautablösung kann verschiedene Ursachen haben. Zu den häufigsten gehört die rissbedingte Netzhautablösung (rhegmatogene Ablösung). Dabei bilden sich kleine Risse oder Löcher in der Netzhaut, durch die Flüssigkeit eindringen und die Netzhautschichten voneinander lösen kann.
 
Die Risse oder Löcher können z.B. durch einen Unfall oder eine Sportverletzung bedingt werden. Wesentlich häufiger ist allerdings die rhegmatogene Ablösung als Alterserscheinung: Der Glaskörper, der als gallerartige Masse das Zentrum des Augapfels auskleidet, besteht zum großen Teil aus Flüssigkeit und mit zunehmendem Alter schrumpft er tendenziell. Bleibt er dabei mit der Netzhaut "verklebt", beginnt er beim Schrumpfungsprozess an der Netzhaut zu ziehen. Risse entstehen und Flüssigkeit kann eindringen. Wer noch ein erhöhtes Risiko trägt, lesen Sie im nächsten Abschnitt "Wer ist besonders gefährdet?".
 
Eine sehr seltene Form der Netzhautablösung entsteht durch Flüssigkeit aus anderer Quelle: Bei der exsudativen Ablösung ist es Flüssigkeit aus der Aderhaut. Die liegt unter einer dunklen Hautschicht, dem Pigmentepithel, das vor allem die oberste Schicht des Trios - die Netzhaut - umspült. Auch hier tritt dann wieder der Effekt ein, dass an bestimmten Stellen die Netzhaut von ihrer Versorgungsschicht zumindest in Teilen "weggeschwämmt" bzw. abgelöst wird. Gründe für diese Flüssigkeit aus der Aderhaut können Entzündungen oder (seltener) auch Tumore sein.
 
Eine dritte Ursache ist sozusagen das "Ziehen" (Traktion) durch besondere Veränderungen von Glaskörper oder Netzhaut selbst: Bei der traktiven Netzhautablösung entstehen Narben auf der Netzhaut und/oder am Gewebe des Glaskörpers und das sonst gleichmäßige Gewebe wird jedenfalls gespannt bzw. verkürzt. Auch so kann ein direktes oder indirektes (Glaskörper) Ziehen auf die Netzhaut bedingt werden, dass dann wieder zu Löchern, Rissen oder einer direkten mechanischen Abhebung führt.
 
Besonders gefährdet für diese Form der Netzhautablösung sind langjährige Diabetiker und Diabetikerinnen (vor allem durch die oft mit der Krankheit einhergehende Schädigung von Gefäßen, in dem Fall im Auge) - man spricht darum auch von diabetischer Retinopathie als Auslöser.

Wer ist besonders gefährdet?

Grundsätzlich treten Netzhautablösungen besonders oft als (beginnende) Alterserscheinung auf, also gehäuft in der Patientengruppe ab 50 Jahren. Männer sind häufiger betroffen als Frauen.
 
Aber es gibt Menschen, die grundsätzlich ein höheres Risiko für eine Netzhautablösung haben: Wegen ihrer langgezogenen Augäpfel sind stark kurzsichtige Menschen besonders gefährdet (auch altersunabhängig und auch wenn die Kurzsichtigkeit durch Brille, Linsen oder OP korrigiert wurde!).
 
Ein erhöhtes Risiko haben auch Menschen mit Diabetes (diabetische Retinopathie als Auslöser). Hintergrund ist dabei, dass hohe Blutzuckerwerte über längere Zeit Gefäße schädigen - das kann dann auch die winzigen Gefäße im Auge betreffen. Um das Risiko zu minimieren kommt es also für Diabetikerinnen und Diabetiker auf ein gutes Management der Krankheit an, genauer: den Blutzuckerspiegel auf einem gesunden Level stabil zu halten.
 
Außerdem kann auch eine OP des Grauen Stars in der Folge Risse oder Löcher in der Netzhaut auslösen oder begünstigen.

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Risiko erkennen und bannen

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Was hilft gegen Netzhautablösung?

Grundsätzlich gilt: Bei einer Netzhautablösung (oder dem Verdacht darauf ) braucht es dringend medizinische Hilfe - und das schnell, denn die Sehkraft ist in Gefahr. Nicht mehr zu behebende Schäden können sich in einem Zeithorizont von Tagen bis wenigen Wochen entwickeln.
 
Die genaue Therapie hängt dann vom Status der Netzhautschädigung ab:
Liegt die Netzhaut noch an, aber es gibt Löcher oder Risse, können diese wieder geschlossen werden. Gängige Verfahren dazu sind das Lasern und das Vereisen (Kryotherapie), beide sind ambulant möglich.
 
Der Laser beispielsweise löst an der Stelle mit Loch oder Riss eine winzige Entzündungsreaktion aus, die dann zur Vernarbung oder Verödung führt. Dazu muss der Laser aber auf dem Weg jeden anderen Lichts an die Netzhautstelle gelangen können - sie ist darum nicht immer möglich.
 
Bei der Vereisung (Kryopexie) wird eine Sonde von außen, also nicht durch die Linse, ans Auge geführt. Dann wird vom Prinzip auch hier der Riss oder das Loch per Narbenbildung "verschweißt" und so geschlossen. Die Vereisung wird z.B. bei diabetischer Retinopathie als Auslöser eingesetzt, wenn der Körper brüchige Blutgefäße aufbaut, um einem diabetesbedingten Gefäßproblem entgegenzuwirken.
 
Aber: Hat sich die Netzhaut schon wirklich gelöst, hilft nur noch eine OP. Laut der Deutschen Gesellschaft für Augenheilkunde kommen dann ein komplexes chirurgisches Verfahren zum Einsatz: "Die Netzhaut kann mit einer Plombe aus weichem Kunststoff, einer Gasblase oder einem Kunststoffband wieder angelegt werden - oder mit einem Eingriff, bei dem der Glaskörper entfernt wird, um die Netzhaut anschließend mit Laser und einer vorübergehenden Tamponade aus Gas oder Silikonöl zu fixieren." (Quelle: Deutsche Gesellschaft für Augenheilkunde)

Nützliches Wissen über das Auge

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Kann die Netzhaut von allein "heilen"?

Nein, zerstörte Sehzellen können sich nicht regenerieren. Darum ist es so entscheidend sie zu retten!
 
Eine abgelöste Netzhaut legt sich auch nicht von allein wieder an - es braucht professionelle Hilfe.
 
Bei Rissen oder Löchern, die noch nicht zu einer Netzhautablösung geführt haben, kann z.B. durch Behandlung per Laser oder Kälte, das entsprechende "Leck" geschlossen und so die Netzhautablösung auch verhindert werden (allerdings sollte man - gerade als Risikopatient - für die Gefahr sensibel bleiben, denn je nach Grunderkrankung kann es zu neuen "Vorboten" kommen).

Kann man einer Netzhautablösung vorbeugen?

Das kommt auf die Ursache an: einem Unfall oder einer Sportverletzung kann man natürlich nur bedingt vorbeugen.
 
Bei Risikogruppen kommt es darauf an das Grundrisiko zu senken (z.B. bei Diabetes: eine gute Einstellung der Blutzuckerwerte).
 
Wer unter starker Kurzsichtigkeit leidet, sollte für Symptome einerseits besonders wachsam sein, andererseits regelmäßig zu Checks bei Augenarzt oder Augenärztin gehen - gerade ab dem mittleren Lebensalter.
 
Überhaupt empfehlen Fachmediziner ab dem 40. Lebensjahr die regelmäßige Kontrolle vom Zustand der Netzhaut - jährlich bis alle zwei Jahre. Das hat den Vorteil, dass Löcher oder Risse früh erkannt werden können, also bestenfalls bevor es zu einer Netzhautablösung kommt.
 
Das kann mittels der Augenspiegelung (Ophthalmoskopie) passieren - für die müssen durch Tropfen die Pupillen geweitet werden, damit Arzt oder Ärztin hinten auf die Netzhaut blicken und sie checken können.

Beitrag von Lucia Hennerici

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