Pillen auf orangefarbenem Hintergrund (Bild: unsplash/Michal Parzuchowski)
Bild: unsplash/Michal Parzuchowski

Arzneimittel-Check - Freiverkäufliche Schmerzmittel: Was kann was, mit welchem Risiko?

Schmerzmittel sind beliebt und in der Apotheke gibt es eine große Auswahl ohne Rezept zu kaufen. Das heißt aber nicht, dass Schmerzmittel generell harmlos sind. Und in manchen Fällen brauchen wir sie. Nur: Welche Pille hilft wem? Welche Nebenwirkungen haben sie und wer darf sie wie lange einnehmen?

Der Kopf dröhnt, der Zahn zieht und im Bauch krampft es. Abhilfe ist einfach, das Angebot in den Apotheken groß: Aspirin, Ibuprofen und Kombi-Präparate, etwa mit Koffein, füllen ganze Regale.
Mit über einer Milliarde Umsatz sind Schmerzmittel Nummer 1 unter den zehn umsatzstärksten Präparaten. Von den rund 150 Millionen Packungen jährlich gehen 110 Millionen rezeptfrei über den Ladentisch.
 
Aber auch wenn sie in der einen oder anderen Situation durchaus Leid lindern können: Expertinnen und Experten kritisieren die allzu leichtfertige Einnahme von Schmerzmitteln ohne ärztliche Aufsicht, denn viele bergen Nebenwirkungen, über die sich die Einnehmenden nicht klar sind.

Mehr zum Thema

RSS-Feed
  • Verschiedene Medikamente und ihre Verpackungen (Quelle: imago/Panthermedia)
    imago/Panthermedia

    Einsatz von Opioiden mit ärztlicher Anleitung 

    Opioide als Schmerzmittel: Fluch oder Segen?

    Opioide können für Menschen mit starken Schmerzen eine echte Hilfe sein. Aber es ist auch Vorsicht geboten. Denn bei unsachgemäßem Gebrauch oder ohne ärztliche Begleitung können Opioide problematisch sein. Die rbb Praxis hat mit dem Leiter der Schmerzmedizin an der Universitätsmedizin Göttingen, Frank Petzke gesprochen, was beim Einsatz von Opioiden zu beachten ist.

  • Tabletten neben einem Wasserglas (Quelle: imago/emil umdorf)
    imago/emil umdorf

    ASS kein harmloses Vorsorgemedikament 

    'ASS ist ein zweischneidiges Schwert'

    ASS kommt nicht nur als Schmerzmittel zum Einsatz – in niedriger Dosierung von 100 Milligramm kann kann es auch Herzinfarkte verhindern. Dennoch sollte es nicht jeder wahllos schlucken.

  • Hanfblätter, Fläschchen mit Öl und Hanfsamen auf Holzlöffel (Bild: imago/Panthermedia)
    imago/Panthermedia

    Interview l Therapie mit CBD 

    Cannabidiol gegen Schmerz: wirksam - aber nicht allein

    Es gilt als "harmloser" Hanf-Inhaltsstoff: Cannabidiol. Ohne die abhängig machende und berauschende Substanz Tetrahydrocannabinol (THC), wirkt Cannabidiol muskelentspannend, angstlösend und entzündungshemmend. Eigenschaften, die in der Schmerzmedizin immer stärker erkannt und genutzt werden.

  • Pillen in der Hand (Quelle: colourbox.de)
    colourbox.de

    Wann und wie? 

    Medikamente einnehmen – so geht's richtig

    Medikamente so einzunehmen, dass sie auch optimal wirken, ist gar nicht so einfach. Welche Tabletten nimmt man lieber vor oder nach dem Essen ein? Wie vertragen sich Medikamente mit bestimmten Nahrungsmitteln? Ist die Schmerztablette zum Alkohol erlaubt, um dem Katerkopfschmerz vorzubeugen? Und wie teilt man Tabletten richtig?

  • Ein Haufen bunter Pillen (Quelle: Colourbox)
    Colourbox

    Patientensicherheit 

    Medikamentencocktail: Unterschätzte Mixtur

    Mit jedem zusätzlichen Medikament nimmt die Gefahr für unerwünschte Wechselwirkungen zu. Ein vomGemeinsamen Bundesausschuss gefördertes Projekt will Ärzte dabei unterstützen, Patienten nebenwirkungsärmer zu therapieren. Im Zentrum steht ein digital unterstütztes Arzneimitteltherapie-Management. Die rbb Praxis informiert.

  • Nasenspray, Tasse Tee, Taschentücher und Pillen liegen auf einem Tisch (Quelle: imago/CTK/CandyBox)
    imago/CTK/CandyBox

    Hausmittel bei Entzündung 

    So kurieren Sie entzündete Nasennebenhöhlen

    Wer unter einer akuten Nasennebenhöhlenentzündung leidet, hat einiges auszuhalten. Die anschwellenden Schleimhäute verhindern, dass Schleim und Sekret abfließen können. Autsch! Die gute Nachricht: Die schmerzenden Höhlen sind zwar unangenehm, aber meist harmlos. Mit zahlreichen Hausmitteln können Sie die Beschwerden lindern.

  • Blick in Metallkiste mit Tablettenblistern, Sprays & Co (Bild: imago images/Jochen Tack)
    imago images/Jochen Tack

    Interview l Heilende Must-haves und wie sie zu lagern sind 

    Hausapotheke mit System

    Für den Stiftung-Warentest-Ratgeber "Die Hausapotheke" haben Prof. Gerd Glaeske und sein Team 700 rezeptfreie Medikamente getestet. Das Ergebnis: Die Hälfte ist wenig geeignet. Mit uns hat Prof. Glaeske darüber gesprochen, warum viele Hausapotheken einer Sondermülldeponie ähneln und wie Sie es bei Ihrem Exemplar besser machen können.

  • Inhalt einer Erste-Hilfe-Tasche (Bild: imago/Jochen Tack)
    imago/Jochen Tack

    Wunden schnell & richtig versorgen 

    Erste Hilfe bei kleinen Wunden

    Ein Mal nicht aufgepasst, mit dem Messer abgerutscht und schon ist die Schnittverletzung da. Wie versorgt man sie am besten? Schon bei der Frage, ob eine kleine Wunde schneller an der Luft abheilt oder doch lieber mit einem Pflaster geschützt werden muss, sind sich viele uneinig. Die rbb Praxis klärt auf.

  • Installationsraum der Künstlerin Janet Laurence auf der IGA 2017 (Quelle: Frank Sperling)
    Frank Sperling

    Interview | IGA 2017 

    Zwischen Gut und Böse: die Kraft der Heilpflanzen

    Jedes Kind kennt sie: die Kräuterhexe aus Märchen und schaurigen Legenden, die sowohl heilt, als auch vergiften kann. Der Fluch und Segen der Heilpflanzen hat die Menschen seit jeher fasziniert. Kam es jedoch zu Nebenwirkungen oder gar zum Tode, wurden vor allem kräuterkundige Frauen schnell der Hexerei bezichtigt. Doch diese legten bereits die Grundlage vieler moderner Medikamente, wie Aspirin.

  • Cannabis und Tabletten mit einer Tablettenbox (Quelle: imago/Felix Jason)
    imago stock&people

    Medizinische Cannabisvergabe | Hürden in der Gesetzgebung 

    Neues Gesetz für Cannabis-Arzneimittel

    Seit dem 10. März 2017 können Ärzte im Rahmen ihrer Therapiefreiheit bei schwerwiegenden Erkrankungen Cannabis als Medizin verordnen. Was als Erleichterung gedacht war, entpuppt sich nach Meinung vieler Betroffener und auch von Ärzten eher als Hürde.

Risiko: Blutungen, Herzinfarkt, Schlaganfall

Beispiel Diclofenac: Studien zufolge zerstört der Entzündungshemmer die schützende Magenschleimhaut, verändert die Blutgerinnung und löst Herzinfarkte aus.
Schätzungsweise einer von 400 Patientinnen, die dieses Medikament einnehmen, erleidet einen Schlaganfall oder Herzinfarkt. Und nicht nur Herz und Hirn schweben in Gefahr: Zahlreiche Patienten jährlich schädigen durch die Einnahme von Schmerzmitteln ihre Niere derart, dass sie dialysepflichtig werden.
 
Dass Schmerzmittel frei verkäuflich und billig sind, macht sie nicht weniger risikoreich. Außer den Gefahren für die Gesundheit lösen einige Schmerzmittel auf Dauer sogar selbst Kopfschmerzen aus. Schmerzmittel sollten daher ohne ärztlichen Rat nicht länger als drei Tage am Stück und nicht mehr als zehn Tage pro Monat eingenommen werden.

Bewegung & Entspannung als natürliche Schmerzkiller

Ohnehin sollten die Medikamente nur dann eingenommen werden, wenn tatsächlich ein entzündlicher Prozess für die Schmerzen verantwortlich ist. Das ist beispielsweise bei Migräne oder Zahnschmerzen der Fall.
 
Bei muskulären Schmerzen wie Spannungskopfschmerzen, Rücken- oder Nackenweh nützen herkömmliche Schmerzmittel, die in erster Linie als Entzündungshemmer wirken, dagegen wenig.
 
Besser schaut man nach den Ursachen der Schmerzen: Was macht Stress mit mir? Warum bin ich verspannt? Wieviel Zeit des Tages bin ich in einer Körperhaltung? Entspannungsverfahren, Wärme, Achtsamkeitsübungen und Bewegung helfen dann mehr als jedes Schmerzmittel.

Welche Mittel helfen am besten bei welchen Schmerzen?

  • Kopfschmerzen

  • Bauchschmerzen

  • Zahnschmerzen

  • Regelschmerzen

  • Erkältungsschmerzen

  • Muskelschmerzen

FAQ Schmerzmittel: Wie vorsichtig müssen wir sein?

Kann ich bei der Dosierung von Schmerzmitteln etwas falsch machen? Wie merke ich das?
Besonders ältere Menschen sind für eine Überdosierung gefährdet, da ihre Organe nicht mehr so fit sind. Das Gemeine: Oft bleibt das "Zuviel" erstmal unbemerkt.
Nicht nur Herz und Hirn schweben in Gefahr: Jährlich schädigen rund 11.000 Patienten hierzulande durch Schmerzmittel ihre Nieren derart, dass sie an die Dialyse müssen.
 
Schmerzmittel sollten ohne ärztlichen Rat nicht länger als drei Tage am Stück und mehr als zehn Tage pro Monat eingenommen werden.

Ist ein Missbrauch von freiverkäuflichen Schmerzmitteln möglich?
Ja. Typischer Fall: der medikamenteninduzierte Kopfschmerz, kurz MIKS. 10 - 20 Prozent der Kopfschmerzpatientinnen und -patienten leiden darunter.
MIKS entsteht durch die Schmerzmittel selbst. Der Körper gewöhnt sich an die Medikamente, ist zunehmend empfindlicher für Schmerzen - und fordert immer mehr davon. Ein Teufelskreis, der sich nur durch eine professionelle Therapie mit Medikamentenentzug behandeln lässt.
 
Wie sinnvoll sind Kombinationspräparate?
Kombinationspräparate aus verschiedenen Schmerzmitteln und Koffein oder Codein sind umstritten. Zum Einen verlieren Einnehmende den Überblick, wie viel er/sie von welchem Einzelwirkstoff eingenommen hat. Außerdem erhöhen die Mittel das Risiko für unerwünschte Nebenwirkungen; die Gefahr der Gewöhnung steigt.
Koffein etwa verleitet es dazu, das Präparat häufiger und länger als notwendig zu nehmen. Der Körper reagiert bei Entzug mit Kopfschmerzen. Bei längerem Gebrauch drohen Nierenschäden bis zur Dialysepflicht.
Kodein macht benommen, mindert die Fahrtüchtigkeit und führt zu Verstopfungen. Mehr als zehn Tage eingenommen kann es nach dem Absetzen Entzugserscheinungen auslösen.
 
Welchen Wirkstoff kann man ergänzend nehmen, wenn die Schmerzen trotz Einnahme eines Mittels weiterhin anhalten?
Unterschiedliche NSAR sollten nicht kombiniert werden, hier müssen die sechs Stunden Pause zwischen zwei Einnahmen abgewartet werden. Bekannte Wirkstoffe aus dieser Gruppe sind etwa Acetylsalicylsäure (ASS), Ibuprofen oder Diclofenac.
NSAR können allerdings mit Paracetamol kombiniert werden, wenn ein Mittel die Schmerzen nicht ausreichend lindert.
 
Besprechen Sie die kombinierte Einnahme von Schmerzmitteln am besten mit Ihrem Arzt oder Apotheker.

Freiverkäufliche Schmerzmittel - eine Auswahl

  • Paracetamol

  • Ibuprofen

  • Diclofenac

  • Azetylsalizylsäure (ASS)

  • Naproxen

Vielerlei Schmerz - und was hilft

RSS-Feed
  • Frau hält sich schmerzende Wange (Bild: imago/Westend61)
    imago/Westend61

    Hintergrund: Wenn der Gesichtsnerv Amok läuft 

    Trigeminusneuralgie: Nervenschmerz im Gesicht

    Heftige, plötzlich einschießende Schmerzen in einer Gesichtshälfte - das ist typisch für die Trigeminusneuralgie. Auslöser ist meist ein Gefäß, das auf dem Drillingsnerven liegt und ihn quält. Für eine Diagnose reichen oft schon die eindrücklichen Schilderungen der Schmerzgeplagten. Für die Behandlung stehen Medikamente, operative Verfahren sowie eine Bestrahlung zur Verfügung.

  • Frau hält sich Hände an schmerzenden Kopf (Bild: imago/Westend 61)
    www.imago-images.de

    Interview l Ursachen & Hilfe gegen den dumpfen Schmerz 

    Spannungskopfschmerz: Wie in der Schraubzwinge

    Es gibt rund 300 Kopfschmerzarten, aber keine ist so weit verbreitet, wie der dumpfe Spannungskopfschmerz. Woher sie kommen, was hilft und was Betroffene selber zur Linderung tun können, haben wir Dr. Jan-Peter Jansen gefragt. Er ist ärztlicher Leiter des Schmerzzentrums und Chefarzt der Schmerzklinik in Berlin; einer seiner Schwerpunkte ist die Behandlung von Menschen mit Kopfschmerzen.

  • Junge Frau liegt auf dem Sofa und hält sich den Bauch (Quelle: imago/
    imago/

    Unterschätzte Frauenkrankheit 

    Endometriose - heftige Schmerzen im Unterleib

    Die Menstruation empfinden viele Frauen als unangenehm, doch für einige wird sie zur Qual. Der Grund: Endometriose. Gewebe wuchert im Bauchraum und sorgt für heftige Schmerzen. Manchmal, wie im jüngst bekannt gewordenen Fall von Lilly Becker, kann sogar Unfruchtbarkeit die Folge sein.

  • Frau krümmt sich vor Schmerz im Bett (Quelle: imago/Panthermedia)
    imago/Panthermedia

    Ein langer Weg zur Diagnose 

    Fibromyalgie – wenn der Schmerz nicht aufhören will

    Zu Beginn ist ihre Zunge immer über das Wort gestolpert: "Fibromyalgie". Inzwischen geht es ihr lässig über die Lippen. Über 30 Jahre hat es gedauert, bis Monika Richter einen Namen hatte, für die ständigen Schmerzen in ihren Armen und Beinen. Rund zwei bis drei Prozent der deutschen Bevölkerung leiden unter dem Fibromyalgie-Syndrom.

Beitrag von Constanze Löffler

Zum Weiterlesen

Hände halten schmerzenden unteren Rücken (Bild: Imago/Panthermedia)
Imago/Panthermedia
4 min

Cannabis bei Wirbelsäulen-Schmerzen

Schmerz aus der Wirbelsäule vermindert die Lebensqualität enorm. Doch Wirkstoffe aus der weiblichen Hanf-Pflanze können die Therapie wirksam unterstützen.

Wirkstoffpflaster auf Arm einer Frau (Bild: imago images/ingimage)
imago images/ingimage

Medikamente zum Aufkleben - Wirkstoffpflaster: Informationslücken im Beipackzettel

Aufreißen, aufkleben - fertig! Die Anwendungsvorteile von Wirkstoffpflastern machen sie bei vielen Ärzten und Patienten beliebt und sie werden vielfach eingesetzt: z.B. zur Schmerztherapie, Verhütung, Raucherentwöhnung oder auch im Kampf gegen Parkinson. Doch auch in den Pflastern stecken hoch wirksame Medikamente, die Neben- und Wechselwirkungen hervorrufen können. Infos dazu sollte man im Beipackzettel finden - doch oft fehlen die, wie eine Studie belegt.

Hände halten E-Zigarette und geknickte Tabakzigarette (Bild: imago/Panthemedia)
imago/Panthemedia

Interview l Tabakentwöhnung - Chance & Risiko E-Zigarette

Was oft als lässiges Laster gilt, bringt jährlich Zehntausende um: Rauchen. Problem: Vom Glimmstängel loszukommen ist extrem schwer - biochemisch und psychisch. Viele greifen zur E-Zigarette. Grundidee: Wo keine Verbrennung, da kein Rauch und weniger Schaden. Aber stimmt das? Und warum sind auch viele Experten weiter skeptisch? "Jeder Weg zum Ende des Rauchens ist richtig", sagt der Berliner Lungenfacharzt Dr. Thomas Hering - und setzt auch auf die "E-Zig".