Salz auf einem Holzlöffel (Quelle: colourbox)
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Versalzene Gesundheit - Wie Salz Blutdruck an die Grenze treibt

Die richtige Menge Salz hält lebenswichtige Körperprozesse in Gang - ein Zuviel kann uns vergiften. Vor allem der Zusammenhang zwischen Salzkonsum und Blutdruck ist immer wieder Thema. Wie wirkt sich Salz sich auf den Blutdruck aus? Und welche neuen Therapieansätze gibt es für Menschen, die besonders sensibel auf Salz reagieren? Antworten der rbb Praxis.

Der Körper braucht Salz

Natriumchlorid, besser bekannt als Kochsalz, ist ein wichtiger Mineralstoff für unseren Körper. Es regelt den Wasserhaushalt und die Gewebespannung und ist die Basis für die Erregbarkeit von Nerven und Muskeln. Salz spielt auch eine wichtige Rolle beim Knochenbau und der Verdauung. Der Körper kann Salz nicht selbst bilden, sondern muss es über die Nahrung aufnehmen. Mindestens 1,4 Gramm Kochsalz pro Tag braucht ein erwachsener Mensch, um den Verlust auszugleichen, der zum Beispiel durch das Ausscheiden von Urin entsteht.

Zu viel Salz ist ungesund: für den Blutdruck

"Nur die Dosis macht das Gift" – dieser Ausspruch des Schweitzer Arztes Paracelsus aus dem 13. Jahrhundert, gilt in besonderer Weise für Salz.
 
Bluthochdruck, also Werte über 140 zu 90 mmHg, ist ein weit verbreitetes Phänomen in Deutschland. Unter den über 60-Jährigen hat jeder zweite einen zu hohen Blutdruck und damit ein erhöhtes Risiko für lebensbedrohliche Herz-Kreislauf- und Gefäßerkrankungen, wie Herzinfarkt, Schlaganfall und Nierenversagen. Den Salzgehalt im Körper regulieren Hormone. Wenn wir zu viel Salz aufnehmen, wird dieses vor allem über die Nieren ausgeschieden - deshalb kann ein zu hoher Salzkonsum auf Dauer die Nieren schädigen.
 
Die Menge an Natriumchlorid im Körper spielt bei der Entstehung von Bluthochdruck eine wichtige Rolle. Salz bindet Wasser im Körper und erhöht dadurch das Flüssigkeitsvolumen, das im Körper zirkuliert. Je mehr Flüssigkeit im Körper ist, desto größer ist der Druck auf die Blutgefäße.

Übergewicht und Immunsystem

Salz regt als Geschmacksverstärker den Appetit an und kann dadurch auch die Entstehung von Übergewicht befördern. Ein Übermaß an Kochsalz hat auch einen negativen Einfluss auf das Immunsystem und den Darm – und zwar über die Zusammensetzung des Darm-Mikrobioms, also der Menge aller Bakterien im Darm. Zu viel Kochsalz reduziert die Zahl der Laktobazillen im Darm deutlich, zugleich steigt die Zahl der sogenannten Th17-Helferzellen im Blut an. Diese Immunzellen stehen im Verdacht, den Blutdruck zu erhöhen sowie Entzündungen und Autoimmunerkrankungen zu fördern. Dass sich die Zahl der Th17-Helferzellen so massiv erhöht, weist auf eine erhöhte Entzündungsreaktion im Körper hin. Das Darm-Mikrobiom scheint also ein wichtiger Faktor für durch Salz beeinflusste Erkrankungen zu sein.
 
Mit Kochsalz kann man sich sogar vergiften. Dafür müsste ein Erwachsener allerdings etwa zehn Esslöffel Salz innerhalb eines Tages zu sich nehmen. Das sind etwa 200 Gramm. Um die erhöhte Salzkonzentration außerhalb der Körperzellen auszugleichen, wird den Zellen Wasser entzogen. Das kann zu Durchfall, Erbrechen und zu Herz- und Atemstörungen führen. Ein gesunder Erwachsener kann zu viel Salz im Körper durch Wassertrinken ausgleichen; etwa 100 Milliliter müssen getrunken werden, um ein Gramm Kochsalz auszugleichen. Gefährlicher ist es allerdings, wenn Babys und Kleinkinder zu viel Salz zu sich nehmen. Bei ihnen können schon geringere Mengen zu Durchfällen und Vergiftungen führen.

Empfohlene Salzmenge

Der durchschnittliche Salzverzehr liegt in Deutschland bei zehn Gramm am Tag, also etwa einen gehäuften Teelöffel voll. Ernährungsexperten und auch die Weltgesundheitsorganisation empfehlen aber maximal drei bis sechs Gramm Salz am Tag. Die meisten Menschen hierzulande liegen also deutlich darüber. In zahlreichen Studien wurde der Effekt einer Salzreduktion unter sechs Gramm auf den Blutdruck untersucht. Zum Teil konnte eine Absenkung des Blutdrucks um bis zu fünf mmHg erreicht werden, was in etwa dem Effekt eines blutdrucksenkenden Medikaments entspricht.

Achtung: versteckte Salze!

Bis zu 80 Prozent der täglichen Salzmenge nehmen wir über Fertigprodukte und gesalzene Lebensmittel zu uns – und nicht über den Salzstreuer. Viel Salz steckt in Fertigprodukten, Brot, Wurst, Käse und Konserven. Allein mit einer Fertigpizza, die zwischen fünf und acht Gramm Salz enthält, kann man schon mehr als die empfohlene Tagesmenge an Salz zu sich nehmen. Dosensuppen enthalten ähnlich viel Salz. Bei Wurstaufschnitt steht geräucherter Schinken ganz oben auf der Liste der besonders salzhaltigen Lebensmittel.

Der Salzgehalt wird zwar auf der Packung angegeben, aber "verschlüsselt" als Natriumgehalt. Diesen muss man wiederum mit dem Faktor 2,5 multiplizieren, da ein Gramm Natrium, 2,5 Gramm Kochsalz entspricht.

Wer salzarm leben möchte, sollte zum Beispiel weitgehend auf Fertigprodukte verzichten, selbst Brot backen und Salatsoßen mit Kräutern statt mit Salz anrühren. Scharfes Essen kann ebenfalls helfen, den Salzkonsum zu reduzieren. Der in Paprika und Chilischoten enthaltene Stoff Capsaicin (CPS), der die Schärfe ausmacht, lässt uns als Nebeneffekt Gerichte als salziger wahrnehmen. Und den geräucherten Schinken z.B. durch Kochschinken ersetzen.

Neue Therapie für salzsensitive Menschen

Eine bestimmte Gruppe von Menschen, die Salzsensitiven, reagiert besonders empfindlich auf Salzkonsum. Experten schätzen, dass jeder Dritte Deutsche zur Gruppe der Salzsensitiven gehört. Unter den Hochdruckpatienten ist es sogar jeder Zweite. Auch eine Zuckerkrankheit sowie Nierenleiden können eine Ursache dafür sein, dass Menschen besonders empfindlich auf Kochsalzkonsum reagieren.
 
Salzsensitive Menschen sprechen auf herkömmliche Blutdrucksenker oftmals nicht an, weshalb ihnen bislang immer geraten wurde, ihren Salzkonsum drastisch einzuschränken. Inzwischen gibt es Therapieansätze, die neue Wirkstoffe für diese besondere Patientengruppe untersuchen. So haben Forschende der Boston University School of Medicine in einer Studie so genannte Alpha1-Adrenorezeptor-Blocker untersucht. Bislang ist man davon ausgegangen, dass Alpha1-Adrenorezeptor-Blocker den Blutdruck aufgrund ihrer gefäßerweiternden Wirkung reduzieren. Nun zeigt die Studie, dass dieser Wirkstoff noch einen anderen Effekt hat, und zwar auf die so genannten NCC-Transporter. Denn: Salzsensitive Menschen haben eine erhöhte Aktivität des sympathischen Nervensystems, was bei ihnen unter anderem zu einer Überstimulation der Natrium-Chlorid-Cotransporter (NCC) in den Zellmembranen der Nierenkanälchen führt. Anstatt das Salz über die Nieren auszuscheiden, bringen die NCC-Transporter das Salz zurück in den Blutkreislauf. Dadurch steigt wieder das Flüssigkeitsvolumen im Körper und somit der Druck auf die Blutgefäße. Alpha1-Adrenorezeptor-Blocker sind in der Lage, die Aktivität der NCC-Transporter zu vermindern und damit den Salztransport von den Nieren zurück in den Blutkreislauf zu verringern. Bislang wurde das nur in tierexperimentellen Studien gezeigt. Würden diese Ergebnisse in klinischen Studien bestätigt, stünde ein neues blutdrucksenkendes Medikament für die bislang schwer therapiebare Gruppe der salzsensitiven Bluthochdruckpatienten zur Verfügung.

Vorsicht bei Salzreduktion für Ältere

Ältere Menschen sollten beim Umgang mit Kochsalz besonders achtsam sein, denn sie können schnell auch zu wenig Salz zu sich nehmen. Das hängt mit dem Flüssigkeitsanteil des Körpers zusammen. Babys haben einen Flüssigkeitsanteil von 82 Prozent ihres Körpergewichts; bei älteren Menschen sinkt er auf 52 Prozent. Ältere Menschen verspüren oft kaum noch Durst und leiden unter Appetitlosigkeit. Hinzu kommt, dass sie häufiger harntreibende Medikamente (Diuretika) einnehmen, die zusätzlich Flüssigkeit aus dem Körper leiten. Dann kann es schnell zu einer Störung des Flüssigkeits- und Salzhaushalts im Körper kommen. Ein Salzmangel macht sich durch Müdigkeit, Schwindel und Verwirrung bis hin zu Desorientiertheit bemerkbar. Ein akuter Mangel kann sogar zu einem Kreislaufkollaps führen. Wassermangel im Körper führt auch zu Gefäßverengungen, was wiederum den Blutdruck steigen lässt.

Beitrag von Ursula Stamm

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