Frau hält besorgt Hand vor den Mund (Bild: imago images/all over)
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Ursachen, Symptome, Hilfe - Wie kleine Brandherde im Mund: Aphthen

Für die einen sind sie eine wiederkehrende Qual, andere erleben sie kaum einmal im Leben: Aphthen - schmerzende weiße Flecken im Mund. Sie befallen die Mundschleimhaut und kehren oft immer wieder - meist ab dem 20. Lebensjahr und öfter bei Frauen als Männern. Betroffene haben oft Probleme beim Essen, manchmal sprechen und vor allem: Schmerzen. Die Ursachen sind noch nicht ganz klar, aber vieles hilft, Aphthen los zu werden. Die rbb Praxis liefert einen Überblick.

Ein brennender Schmerz und kleine weiße Flecken im Mund, umgeben von einem leicht entzündlichen roten Rand - wer das in seinem Mund entdeckt, hat Aphthen. Oft treten die "Pickel des Mundes" in kleinen Gruppen auf der Mundschleimhaut auf, z.B. in Mundhöhle, am Zahnfleisch, Zunge, Lippen oder den Tonsillen.

Egal wo sie sich ansiedeln, gemeinsam haben sie, dass sie häufig wiederkehren, wenn man einmal von ihnen befallen wurde, z.B. wenn das Immunsystem geschwächt ist oder man unter Stress leidet. Beides sind begünstigende Faktoren, doch was die Aphthen eigentlich genau auslöst, weiß die Wissenschaft bisher noch nicht. Dafür aber zumindest schon mal eine beruhigende Nachricht: Ansteckend sind Aphthen nicht.

Aphthe auf der Innenseite der Unterlippe (Bild: imago images/Panthermedia)
Mit weißer Haube: Erscheinungsformen

Aphthen gehören zu den häufigsten Erkrankungen der Mund- und Rachenschleimhaut und Mediziner sprechen von "Defekten" der Mundschleimhaut, Ulzerationen. Auch wenn sie von einem rötlichen, entzündlichen Rand umgeben sind, sind sich Forscher einig: ansteckend sind sie nicht, dafür rezidivfreudig - sie kehren gern wieder.
 
Das weiße Aussehen entsteht durch eine starke Reaktion des Immunsystems: Nachdem sich eine Stelle in der Mundschleimhaut entzündet hat und Gewebe abgestorben ist, reagiert der Körper mit weißlichem Fibrin, um das Loch in der Schleimhaut zu stopfen und zu heilen - Fibrin wirkt hier wie eine Art Klebstoff oder Pflaster des Körpers.

Auftritt in drei Varianten

Minor-Apthen: Sie machen zwischen 80 und 90 Prozent aller Aphthen aus und sind etwa linsengroß (meist 2-5 mm, jedenfalls unter 1 cm Durchmesser). In der Regel heilen sie nach 1-2 Wochen wieder vollständig und ohne Narbenbildung ab und sind recht oberflächlich.
 
Major-Aphthen: Mit ihnen haben Betroffene meist zwischen zehn Tagen und sechs Wochen lang zu kämpfen - nur selten auch länger. Diese großen und auch tieferen Aphthen-Formen sind im Durchmesser in der Regel 1-3 cm groß und wenn sie verheilen, bilden sich häufiger (über 60 Prozent der Fälle) auch Narben in der Mundschleimhaut, in aller Regel hat das aber keine störenden Folgen. Rund zehn Prozent der Aphthen gehören zu dieser Kategorie, die auch Sutton-Aphthen genannt werden.
 
Herpetiforme Aphthen: Diese Aphthen-Form ist klein, 1-2 mm, also etwa wie ein Stecknadelkopf, aber dafür zahlreich, denn hier treten bis zu 100 sehr schmerzhafte Aphthen in kleinen Gruppen auf. Oft sind die Innenseite der Lippen oder der Zungenrand betroffen und das dann im Schnitt für 7-10 Tage. Ihren Namen verdanken sie der Symptomähnlichkeit zu Herpes, aber auch sie werden nicht von einem Virus und konkret nicht vom Herpesvirus ausgelöst. Während der hoch ansteckend ist, sind es Herpetiforme Aphthen nicht. Diese Form macht etwa fünf Prozent der sogenannten Aphthosen aus und etwa ein Drittel der Betroffenen behält Narben zurück. Allerdings kehrt diese Form der Aphthen selten zurück.

Symptom: Feuer im Mund

Das auffälligste Symptom für Betroffene ist meist ein brennender Schmerz, z.B. bei Berührungskontakt mit der Aphthe oder durch Säuren in Lebensmitteln ausgelöst. Je nach betroffener Stelle kann das auch zu Problemen beim Kauen oder Sprechen führen. Meist spüren Betroffene schon vor dem Sichtbarwerden der Aphthen ein Kribbeln oder eine Spannung der Mundschleimhaut, dann bildet sich ein kleiner Hügel oder Knoten, meist gerötet. Darauf bildet sich der weiße Fibrinbelag, manchmal auch nach einer Art Aufplatzen, und die Aphthe kommt dann sozusagen in die Abheilungsphase, die mehrere Tage dauert, je nach Art.

Ursache unklar - aber es gibt Indizien

Schätzungen zufolge sind zwei bis zehn Prozent der Bevölkerung irgendwann von Aphthen betroffen, Frauen häufiger als Männer. Meist treten Aphthen ab dem 20. Lebensjahr immer wieder auf, aber auch schon bei Kindern und Jugendlichen können sie vorkommen. Wie schon erwähnt sind sie nicht ansteckend - aber wenn keine Ansteckung, was löst die schmerzenden weißen Bläschen dann aus? Eindeutige Antworten hat die Forschung darauf noch nicht gefunden.
 
Klar ist, dass Stress und eine Schwächung des Immunsystems (durch den Stress oder auch eine andere Erkrankung) den Schleimhautdefekt begünstigt - und damit auch die Antwort des Körpers mit den weißlichen Flecken. Ob und (wenn ja) wie hormonelle Ursachen eine Rolle spielen - weil Frauen statistisch häufiger betroffen sind als Männer - ist ebenfalls unklar, denn geschlechtsspezifische Hormone müssen für diese Verteilung des Auftretens nicht kausal, also ursächlich sein.

Günstige Bedingungen für Aphthen

Weitere Ursachen können sein:
 
• Verletzungen der Mundschleimhaut - oft tritt das durch Zahnspangen auf, aber auch eine harte Zahnbürste reicht
 
• histaminhaltige Lebenssmittel, wie z.B. Tomaten, Sauerkraut, Spinat, Walnüsse, Haselnüsse, Schokolade, aber auch gereifte Käsesorten, Hülsenfrüchte, Fisch aus Konserven, Wurst oder haltbar gemachtes Fleisch
 
• Zöliakie (Glutenunverträglichkeit)
 
• scharf gewürzte Speisen
 
• Alkohol
 
• Mangelversorgung mit Vitamin B12, Zink, Eisen oder Folsäure
 
• hormonelle Veränderungen
 
• Natriumlaurylsulfat (SLS) in Zahnpasta
 
• Veranlagung in der Familie (laut einer Studie von 2012 bis zu 40 Prozent)

 
• Systemische, also den ganzen Körper betreffende, Autoimmunerkrankungen wie Morbus Behçet (hier können in selteneren Fällen Aphthen z.B. auch die Genitalschleimhaut befallen), Colitis ulcerosa oder Morbus Crohn
 
• Zugrunde liegende Krebserkrankung
 
• Zugrunde liegende Immunschwächung durch Viren, wie HIV
 
Übrigens: Auch wenn das Gerücht sich hartnäckig hält - mangelnde Hygiene zählt nicht zu den Ursachen für Aphthen.

Achtung, wenn ...

Gerade weil das Auftreten von Aphthen in einigen Fällen eine "Begleiterscheinung" für andere Krankheiten, wie z.B. Krebs sein kann, sollten Betroffene medizinischen Rat suchen, wenn:
 
• Aphthen gar nicht von selbst abheilen oder sehr lange brauchen
 
• starke Schmerzen verursachen
 
• häufig wiederkehren
 
• einhergehen mit tiefen Wunden in der Schleimhaut
 
• Begleiterscheinungen, wie Entzündungen oder Fieber auftreten
 
• Unklar ist, ob es um Herpes oder Aphthen geht

Therapien: Was hilft?

Auch weil die Kenntnis über die genauen Ursachen von Aphthen fehlt, behandelt die Therapie im Grunde die Symptome. Das heißt: Salben, Sprays, Gels, Spülungen oder Lutschtabletten lindern vor allem die Schmerzen. Darin stecken meist lokale Betäubungsmittel wie Lidocain (am häufigsten verwendet), Polidocanol oder Benzocain. Auch pflanzliche Präparate kann man dafür nutzen, z.B. durch das Auftragen von Tinkturen aus Myrrhe, Rhabarberwurzel oder Nelke. Auch Salicylsäure, Wasserstoffperoxid-Lösung mit Zinksulfat oder Silbernitrat-Lösung konnten in Studien den Schmerz lindern, führten aber im Vergleich zu oben genannten Beispielen nicht zu einer schnelleren Heilung. Aber auch Kamillen- und/oder Salbeitee kann Linderung verschaffen.
 
In schweren Fällen mit großen Aphthen kann eine Laserbehandlung beim Zahnarzt nötig sein, der das Gewebe dann abträgt. In Frage kommen CO2-Laser oder Nd:YAG-Laser. Die Kosten (40-80 Euro) trägt allerdings die gesetzliche Kasse in aller Regel nicht.
 
Um eine (bakterielle) Infektion auf dem betroffenen Gewebe - also zusätzlich zur Aphthe - zu vermeiden, werden oft alkoholfreie antiseptische Mundspülungen eingesetzt. Sind Patienten häufig von starkem Aphthenauftreten geplagt, kann sich der behandelnde Arzt auch für eine Behandlung mit antibiotischer Spülung entscheiden. Helfen andere Mittel wenig oder gar nicht, kommen auch Kortikosteroide zu Einsatz, die die Entzündungsprozesse hemmen (auch weil sie das Immunsystem hemmen können).

Aphthen bitte nicht füttern!

Wenig Studien gibt es laut einer Metaanalyse von 2014 noch immer zur Frage des Einflusses auf die Nahrung speziell im Kampf gegen Aphthen - was die Ursachen angeht jedenfalls. Dass die Intensität der Schmerzen durch Verzicht beispielsweise auf Zitrusfrüchte, harte oder histaminhaltige Lebensmittel gelindert werden kann, ist dagegen wenig umstritten.
 
Entzündungshemmende Lebensmittel können außerdem dazu beitragen, dass sich zu den Aphthen keine anderen Infektionen gesellen und sind darum sehr hilfreich. Vor allem gilt aber: Gerade weil Ursachen noch erforscht werden, sind die Betroffenen selbst gefragt aufmerksam zu sein. Wann - nach welchen Mahlzeiten, zu welchen Uhrzeiten und in welchen Situationen - treten die Aphthen besonders wieder auf? Ein Ernährungstagebuch kann da genauso helfen, wie gezielter Verzicht auf bestimmte Lebensmittel oder Gewürze, um den Effekt zu erproben.

Beitrag von Lucia Hennerici

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