Herpes Zoster Virus unter Elektronenmikroskop (Bild: Imago Images/Science Photo Library)
Bild: Imago Images/Science Photo Library

Rückkehr der Herpesviren - Schmerzhafte Nervenerkrankung Gürtelrose

Wer als Kind die Windpocken hatte, den kann Jahrzehnte später eine Gürtelrose ereilen. Die schmerzhafte Nervenerkrankung kann mitunter sogar chronisch werden. Ein Impfstoff verhindert die Erkrankung bei Älteren, Immungeschwächten sowie Menschen mit riskanten Vorerkrankungen.

In Deutschland erkranken jährlich etwa 400.000 Menschen an einer Gürtelrose, von Fachleuten Herpes zoster (Zoster: altgriechisch "der Gürtel") genannt. Jeder Dritte ist mindestens einmal im Leben betroffen. Mit zunehmendem Alter nimmt die Häufigkeit für Herpes Zoster zu. Das erhöhte Risiko zu erkranken wird darauf zurückgeführt, dass auch das Immunsystem altert und weniger leistungsfähig ist. Immungeschwächte und Menschen mit bestimmten Vorerkrankungen sind ebenfalls vermehrt betroffen.

Erst Windpocken, dann Gürtelrose

Auslöser für die Gürtelrose ist das Varicella zoster-Virus. Bei Kindern verursachen die Erreger Windpocken: Einen juckenden Hautausschlag mit Bläschen. Nach der Infektion verschwinden die Viren nicht aus dem Körper, sondern nisten sich in bestimmten Nervenzellen in der Nähe des Rückenmarks ein. Dort hält sie das Immunsystem in Schach.
Je schwächer es ist, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass die Viren wieder aktiv werden. Die Viren erwachen durch die nachlassende körperliche Abwehr quasi aus ihrem Winterschlaf. Sie wandern entlang der Nervenfasern und lösen auf der Haut eine Gürtelrose aus.

Mehr zum Thema

RSS-Feed
  • Frau in der Wüste (Bild: unsplash/Averie Woordard
    unsplash/Averie Woordard

    Interview l Chronische Nervenschmerzen 

    "Der Schmerz hat mich regiert"

    Anne Scherenschlich hat nach einer OP starke Schmerzen im linken Bein, doch ihre Ärztinnen und Orthopäden finden jahrelang: nichts. Sie fühlt sich im Stich gelassen, wird depressiv, resigniert fast. Bis sie eine Schmerzklinik mit multimodalem Ansatz findet und sich alles ändert. Eine persönliche Chronologie des Schmerzes - mit Happy End.

  • Chili mit Pfefferkörnern (Bild: imago images/AGB Photo)
    imago images/AGB Photo

    Bildergalerie l Chili, Rettich, Pfeffer & Co. 

    Mit Schärfe Schmerzen lindern

    Chili, Meerrettich, Ingwer oder Pfeffer - sie geben dem Essen die besondere Würze. Erwischt man jedoch zu viel, schmerzt Schärfe wie eine Verbrennung. Richtig dosiert können die scharfen Inhaltsstoffe aber gegen Schmerzen helfen. rbb Praxis stellt altes Heilwissen und moderne Forschungsergebnisse vor.

  • Chilischoten auf einem Tisch (Bild: imago images/agefotostock)
    imago images/agefotostock

    Capsaicin-Pflaster: Nervenschmerzen mit Chili lindern

    Capsaicin ist der Scharfstoff aus der Chilischote. Der Wirkstoff brennt heftiger als Nervenschmerzen von Patienten. Und gerade das bringt Linderung.

  • Frau hält sich schmerzverzerrt die Wange (Bild: imago/Jacques Alexandre)
    imago/Jacques Alexandre

    Interview l Nervenschmerzen 

    Trigeminusneuralgie: Kann die Neuraltherapie helfen?

    Die Neuraltherapie geht davon aus, dass chronische Entzündungen im Körper an anderen Stellen zu Schmerzen führen. Typische Entzündungsherde sind zum Beispiel Zähne, Mandeln oder Nasennebenhöhlen. Diese Störungen sollen durch ein lokales Anästhetikum aufgelöst werden. Inwiefern kann die Neuraltherapie auch bei Trigeminusneuralgie helfen und welche Risiken birgt das? Fragen an die Neurologin und Schmerzexpertin Dr. Antje Hagedorn von der Praxis für Neurologie und Psychiatrie im St. Hedwig Krankenhaus in Berlin-Mitte.

  • Frau mit Schmerzen vor Tablettenregal (Bild: imago/Science Photo Library)
    imago/Science Photo Library

    Interview l Interdisziplinär gegen chronifizierten Schmerz 

    Schmerz: Gekommen um zu bleiben?

    Der Schmerz geht weg, aber der Stolz bleibt – wahr für all diejenigen, die nach einem erfolgreichen Marathonlauf Schmerzen in Beinen und Füßen haben und in den Händen eine Medaille halten. Was aber, wenn der Schmerz bleibt und zu einem Dauerbegleiter wird? Das neue Projekt "PAIN2020" möchte einer Chronifizierung von Schmerzen zuvorkommen. Prof. Winfried Meißner erklärt wie.

Gürtelrose befällt Haut gürtelförmig

Typisch für eine Gürtelrose ist ein Hautausschlag mit kleinen Bläschen, der im erkrankten Bereich mit stark brennenden, einschießenden oder stechenden Schmerzen einhergeht. Der Herpes Zoster befällt meist gürtelförmig den Rumpf, gelegentlich auch Hals oder Kopf - eben entlang des Versorgungsgebietes eines befallenen Nervens. Gelegentlich können auch Arme oder Beine betroffen sein. Der Ausschlag tritt in der Regel nur auf einer Körperhälfte auf.
 
Zu den unspezifischen Symptomen der Gürtelrose zählen Müdigkeit, Abgeschlagenheit, leichtes Fieber, ein allgemeines Krankheitsgefühl, Schwäche. Die Krankheit ist aufgrund der unterschiedlichen Symptome, des manchmal unklaren Schmerzbildes und der schwierigen Abgrenzung zu anderen Schmerzformen mitunter schwierig zu diagnostizieren. Manche Betroffene quälen sich Monate, bis sie die Ursache ihrer Beschwerden erfahren.

Rechtzeitig mit Medikamenten behandeln

Betroffene werden klassischerweise mit virushemmenden Medikamenten wie Aciclovir, Valaciclovir, Foscarnet und Brivudin sowie sorgfältiger Hautpflege behandelt. Die Behandlung sollte rasch erfolgen, um einen chronischen Verlauf zu verhindern. Nach ein bis zwei Wochen heilen die Bläschen unter Krustenbildung ab. In der Regel verschwinden die Schmerzen zusammen mit dem Hautausschlag.

Dauerhafte Nervenschmerzen und sonstige Folgen

Bei etwa jedem zehnten Patienten bleiben die Nervenschmerzen und Missempfindungen aber bestehen und können chronisch werden. In diesen Fällen liegt vermutlich eine anhaltende Nervenschädigung vor. Sie kann in eine so genannte Post-Zoster-Neuralgie (PZN) übergehen; am besten können Neurologinnen oder Schmerztherapeuten helfen.
 
Sind das Gesicht oder die Augen betroffen, droht der Verlust des Sehvermögens. Bei immunschwachen Patientinnen kann sich die Gürtelrose über den Körper ausbreiten und durch eine Entzündung der Lunge, der Leber, des Gehirns, der Hirnhäute oder des Rückenmarks lebensbedrohlich werden.
 
Starke Schmerzen, die länger als drei Monate bestehen, obwohl die Haut schon längst wieder abgeheilt ist, bezeichnen Experten und Expertinnen als eine postherpetische Neuralgie. Bei den Betroffenen ist dabei das Übertragungssystem zwischen Nerven und Gehirn gestört. Sie spüren Schmerzen, obwohl in Wirklichkeit kein oder nur ein geringer Reiz auf den Körper einwirkt. Schon die Berührung mit einem Wattestäbchen empfinden Betroffene teilweise als schmerzhaft.

Nervenschmerzen – was tun?

Die chronischen Nervenschmerzen können äußerst qualvoll sein und sind viel schwerer zu behandeln, als eine akute Gürtelrose. Herkömmliche Schmerzmittel bringen oft keine ausreichende Linderung. Stattdessen kommen Wirkstoffe aus der Epilepsietherapie zum Einsatz sowie Antidepressiva und Opioide, also morphiumähnliche Substanzen. Sie wirken über das zentrale Nervensystem und beeinflussen die Nervenbahnen.
 
Schmerzfreiheit lässt sich auch damit meist nicht mehr erreichen, aber die Schmerzen werden gelindert, so dass Betroffene eine bessere Lebensqualität haben. Menschen mit chronischen Nervenschmerzen hilft zudem eine umfassende, multimodale Schmerztherapie, bei der sie Verfahren zur Entspannung und Schmerzbewältigung erlernen.

Rückenmarksstimulation

Manchen Patienten mit chronischen Nervenschmerzen hilft die Rückenmarksstimulation. Im Rückenmark wird das Schmerzempfinden von einer Nervenzelle auf die andere weitergeleitet. Über Elektroden lassen sich Schmerzbahnen im Rücken verändern oder hemmen.
 
Unter örtlicher Betäubung legt der Arzt eine feine Elektrode an die Hinterseite des Rückenmarks. Wie die Elektroden eines Herzschrittmachers senden sie elektrische Impulse und beeinflussen so die natürliche Reizleitung, also auch die Schmerzbahnen. Zudem wird ein Impulsgeber unter die Bauchdecke des Patienten oder der Patientin eingepflanzt und mit den im Rückenmark liegenden Elektroden verbunden. Damit kann der Patient die Stärke der Impulse steuern.

Chili-Wirkstoff Capsaicin

Eine Therapiealternative bei neuropathischen Schmerzen stellt der Chili-Wirkstoff Capsaicin dar. Er wird als Schmerzpflaster verabreicht. Capsaicin führt dazu, dass zunächst schmerzfördernde Botenstoffe wie Substanz P und andere Neuropeptide vermehrt ausgeschüttet werden. Das verstärkt die Schmerzübertragung zuerst. Die Haut wird feuerrot und heiß und tut weh, so dass die Patienten am Tag der Behandlung Extra-Schmerzmittel nehmen dürfen.
 
Nach ein bis drei Tagen klingen die Beschwerden ab oder verschwinden komplett. Wahrscheinlich stimuliert Capsaicin die Schmerzfasern so stark, dass sie anschließend für erneute Schmerzreize unempfindlich sind. Im Labor konnten Forscher an Hautimitaten zeigen, dass die schmerzsensiblen Nervenenden regelrecht degenerieren. Einige Patientinnen brauchen dauerhaft alle drei bis vier Monate ein Pflaster; andere sind nach nur einer Behandlung geheilt.

Impfung sinnvoll

Die Impfung gegen Varicella zoster Virus erfolgt mit einem Totimpfstoff. Die Ständige Impfkommission (STIKO) des Robert-Koch-Instituts (RKI) empfiehlt die Impfung für
• alle Menschen ab 60 Jahren,
• Personen ab 50 Jahren, deren Abwehrsystem durch Krankheit oder Behandlung geschwächt ist,
• Personen ab 50 Jahren mit Grunderkrankungen wie beispielsweise Diabetes, rheumatoider Arthritis, chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen, chronisch-obstruktiver Lungenerkrankung oder Asthma.
 
Die Impfung wirkt auch im höheren Alter. Die Impfung besteht aus zwei Dosen, die im Abstand von zwei bis sechs Monaten geimpft werden. Für die genannten Bevölkerungsgruppen übernehmen die gesetzlichen Krankenversicherungen die Kosten der Impfung mit dem Totimpfstoff.

Ansteckung und Rückfälle

Bei der Gürtelrose ist die Flüssigkeit in den Bläschen ansteckend, so dass sie durch Schmierinfektion oder über die Hände, infizierte Gegenstände, wie Türgriffe, Treppengeländer, Wasserhähne, Besteck, etc. übertragen werden können. Daher sollten die Bläschen gut abgedeckt sein.
 
Wer bislang keine Windpocken hatte und nicht dagegen geimpft ist, erkrankt nach Ansteckung mit einer Gürtelrose zunächst an Windpocken.
Übrigens: Selbst wer als Kind gegen Windpocken geimpft wurde, ist nicht vor einer Gürtelrose geschützt. Allerdings dürfte die Krankheit etwas weniger schwer verlaufen. Auch wer schon einmal eine Gürtelrose durchgemacht hat, ist vor einer erneuten Erkrankung nicht gefeit: Das Risiko, dass sie ein zweites Mal auftritt, liegt bei drei bis fünf Prozent.

Zum Weiterlesen

Schürfwunde an einem Knie (Bild: Imago images/shotshop)
Imago images/shotshop

Wenn Keime in Wunden gelangen - Sepsis: Gefahr Blutvergiftung

Eine Blutvergiftung wird hierzulande häufig verkannt. Vor allem Laien wissen oft nichts von den drei Warnsignalen dieser schweren Entzündung: Beschleunigte Atmung, extremes Krankheitsgefühl und Verwirrtheit bzw. Wesensveränderung. Infos im Überblick.

Grafik Bauchspeicheldrüse (Quelle: imago /pixdesign123)
imago /pixdesign123

Wie hält sie uns gesund? - Bauchspeicheldrüse

Jeder hat schon mal von der Bauchspeicheldrüse gehört. Die häufigsten Erkrankungen sind Diabetes mellitus, eine Entzündung der Bauchspeicheldrüse oder Bauchspeicheldrüsenkrebs. Wo sie genau liegt und wie sie uns gesund hält, wissen dagegen die wenigsten.

Nieren in 3D Scan (Bild: Colourbox)
Colourbox

Ohne sie wird's müde und schlapp - Nieren: So bleiben Blutwäscher gesund und stark!

Nieren halten den Körper "sauber": Sie filtern unser Blut rund 300 Mal pro Tag und filtern die unterschiedlichsten Giftstoffe heraus. Funktioniert das nicht mehr richtig, sind Betroffene schlimmstenfalls auf Dialyse mehrfach in der Woche angewiesen. Rund 80.000 Menschen in Deutschland brauchen diese Blutwäsche. Wie hält man die Nieren gesund - und wie merkt man, dass es ihnen schlecht geht? Antworten von der rbb Praxis.