Paar mit schnarchendem Mann und entnervter, wacher Frau (Bild: imago/Panthermedia)
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Atemaussetzer & Schlafapnoe - Zungenschrittmacher: Gefährliches Schnarchen stoppen

Wer stark schnarcht und dabei Atemaussetzer hat, ist in Gefahr - vor allem für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Eine Schlafapnoe braucht Therapie. Atemmasken oder Unterkieferschienen sind eine Möglichkeit. Aber nicht jeder kommt damit klar. Alternative: Ein Schrittmacher für die Zunge.

Kräftiges Sägen, hohes Pfeifen oder sanftes Grunzen - Schnarchgeräusche klingen vielfältig. Sie entstehen, wenn im Rachen das Zäpfchen und das Gaumengewebe zu vibrieren beginnen. Denn im Schlaf nimmt die Muskelspannung ab, die Zungen- und Rachenmuskulatur erschlafft.
 
Ursache für das Schnarchen können auch anatomische Besonderheiten, wie große Mandeln, ein enger Rachen oder ein kleiner Unterkiefer sein. Schnarchfördernd sind außerdem Alkoholkonsum und Übergewicht. Meist ist das Schnarchen zwar lästig für den Partner, aber harmlos.

Morgengefühl: Vom LKW überrollt

Zum Gesundheitsrisiko wird das Schnarchen, wenn dabei der Atem aussetzt. Das passiert meist, weil ein erschlaffter Zungenmuskel die Luftröhre blockiert. Bei mehr als fünf Atemaussetzern pro Stunde spricht man von einer Schlafapnoe, sagt die Berliner HNO-Ärztin und Schlafmedizinerin Dr. Dr. Christine Benter.
 
Zwei Drittel aller Männer hätten nächtliche Atemaussetzer, oft mehr als 30 Mal pro Stunde. Frauen seien weniger stark betroffen, vermutlich wegen anatomischer Unterschiede im Hals und Rachen. "Die Betroffenen bemerken ihre Atemaussetzer meist nicht," so Dr. Dr. Christine Benter. "Es sind die Bettpartner, die neben einem Schnarcher liegen und hören, dass es auf einmal ganz still ist. Sie fragen sich: Atmet derjenige noch? Und dann kommt plötzlich ein lautes Geräusch, es wird heftig nach Luft gezogen. Man selbst merkt es erst, wenn man morgens beim Aufwachen das Gefühl hat, man ist wie vom LKW überrollt. Dass man sich sofort wieder hinlegen könnte."

Herzinfarkt und Schlaganfall durch Schnarchen

Durch die wiederholten nächtlichen Atemaussetzer erhält das Gehirn weniger Sauerstoff. Stresshormone werden ausgeschüttet, dadurch steigt der Blutdruck an. Das Herz, das sich nachts eigentlich erholen sollte, muss noch mehr leisten als tagsüber.
 
Menschen mit Schlafapnoe haben deshalb ein erhöhtes Risiko für Herz-Kreislauferkrankungen.

Wann zum Arzt?

Wenn der Partner Atemaussetzer bemerkt, der Schlaf nicht erholsam ist oder wenn der Bluthochdruck nicht mit Medikamenten zu behandeln ist, sollte man zum Arzt gehen, sagt Dr. Dr. Christine Benter. Sie behandelt in ihrem Schlaflabor in Berlin-Zehlendorf regelmäßig Menschen mit Schlafapnoe.
 
Dr. Dr. Benter: "Sie brauchen jemanden, der eine nächtliche Messung macht. Das kann der Hausarzt sein oder der Kardiologe, ein HNO-Arzt, Internist oder Pneumologe. Sie bekommen ein Screening-Gerät mit nach Hause, das den Sauerstoffgehalt und den Atemfluss während der Nacht misst." Zeichne sich eine Schlafapnoe ab, folge ein Besuch im Schlaflabor, um mit der Therapie zu beginnen.

Hintergrund: Schlafapnoe

Es gibt zwei Formen der Schlafapnoe:

Bei der obstruktiven Schlafapnoe (OSA) sind Gaumen- und Rachenmuskulatur derart erschlafft, dass die Zunge während des Schlafs in den Rachen fällt. Dadurch sind die Atemwege verengt. Es gelangt kaum oder keine Luft mehr in die Lunge.

Die seltener auftretende zentrale Schlafapnoe (ZSA) beruht auf einer Störung im zentralen Nervensystem. Sie führt dazu, dass die Atemmuskulatur von Brust und Zwerchfell nicht richtig arbeitet.

Auch gesunde Menschen haben im Schlaf ab und zu Atemaussetzer.
Bei mehr als fünf Atemaussetzern pro Stunde spricht man von einer leichten Schlafapnoe.
Bei 15-20 Atemaussetzern von einer mittleren,
bei >30 von einer hochgradigen Schlafapnoe.

Schlafen mit Maske im Gesicht

Der Goldstandard bei der Behandlung der obstruktiven Schlafapnoe ist die Überdrucktherapie mit einer Atemmaske. Bei der so genannten PAP-Therapie ("Continuous Positive Airway Pressure") erzeugt ein angeschlossener Generator kontinuierlich einen Überdruck, der über eine Nasen- oder Mund-Nasenmaske die Atemwege offenhält.
 
"Die PAP-Therapie ist das effektivste Verfahren bei der Behandlung der obstruktiven Schlafapnoe", sagt Dr. Philipp Arens, Oberarzt an der Klinik für Hals-Nasen- und Ohrenheilkunde der Charité, Campus Mitte. Viele Patienten kämen jedoch mit der PAP-Maske nicht zurecht. "Die Maske wird häufig als Fremdkörper wahrgenommen und dadurch ist der Schlaf gestört. Außerdem kann es zu Druckstellen und Undichtigkeiten kommen", so der Mediziner.
In seltenen Fällen führe die Therapie auch wegen anatomischer Besonderheiten oder aufgrund von Begleiterkrankungen nicht zum Erfolg.

Schiene und Operation

Patientinnen und Patienten mit einer leichten bis mittelschweren obstruktiven Schlafapnoe können so genannte Unterkiefer-Protrusionsschienen helfen: Sie verlagern den Unterkiefer nach vorne, sodass die Zunge nicht nach hinten fällt und die Atemwege offen gehalten werden.
 
Es gibt auch Operationsverfahren: Dabei werden beispielsweise die Mandeln entfernt, der Weichgaumen gekürzt oder der Zungengrund reduziert.

Ein Zungenstimulator als Alternative

Eine schonendere Alternative ist die Implantation eines so genannten Zungenstimulators, oft auch Zungenschrittmacher genannt. Der kleine Impulsgenerator stimuliert den Hypoglossus-Nerv an der Zunge durch Stromstöße.
Dadurch spannt sich die Muskulatur der Zunge an, die Zunge wird nach vorne geschoben, die Atemluft kann ungehindert einströmen und Atemaussetzer werden verhindert.
 
Eingesetzt wird der Impulsgenerator während einer rund eineinhalbstündigen Operation in Vollnarkose. Er wird in einer Hauttasche unterhalb des Schlüsselbeins platziert. Zwei bis drei kleine Schnitte an Hals und Brustkorb sind dafür nötig.
 
Ein Sensor zwischen den Rippen führt zum Impulsgenerator und misst die Atemfrequenz. Der Impulsgenerator stimuliert dann entsprechend dieser Frequenz über eine Elektrode die Zunge, so dass sie nach vorne geschoben wird und die Atemwege offenbleiben.
 
Zu Hause können die Betroffenen den Zungenschrittmacher nachts per Fernbedienung aktivieren. Von außen ist das System des Zungenschrittmachers unsichtbar, er arbeitet geräuschlos.

Aktivieren braucht viel Geduld

Bis der Zungenstimulator erfolgreich arbeitet, vergehen einige Wochen. Er wird erst nach Abheilen der Wunden circa vier Wochen nach der Operation aktiviert. Um ihn dann genau einzustellen, können mehrere Sitzungen beim Arzt sowie Aufenthalte im Schlaflabor nötig sein.

Und die Erfolgsquote?

Dr. Philipp Arens setzt den Zungenstimulator seit 2012 im Rahmen von Studien ein, seit 2016 als Kassenleistung. Seine Einschätzung: "Die Stimulation wirkt, je nach Studie und Zeitpunkt der Messung, bei bis zu 83 Prozent der Patienten.
Für ein chirurgisches Therapieverfahren ist das viel. Im Vergleich zu anderen Operationsmethoden gegen Schlafapnoe ist diese weniger invasiv, da nichts weggenschnitten wird. Dennoch ist es ein chirurgischer Eingriff mit dementsprechenden Risiken. Die hat man bei der PAP-Therapie nicht."

Für wen ist der Zungenstimulator geeignet?

Ein Zungenstimulator ist nur für eine kleine Anzahl von Patienten und Patientinnen mit obstruktiver Schlafapnoe eine Option. Sie müssen bestimmte anatomische Voraussetzungen haben und dürfen nicht zu übergewichtig sein, d.h. maximal einen BMI (Body-Maß-Index) von 35.
 
Als Kassenleistung kommt der Zungenstimulator nur infrage, wenn die Patienten vorher eine PAP-Therapie versucht haben, die nicht zum Erfolg geführt hat.
 
Nicht geeignet ist er bei Menschen mit schweren neurologischen Erkrankungen, z.B. Multiple Sklerose, Parkinson oder Epilepsie oder mit einem Krebsleiden.

Beitrag von Carola Welt

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